Vulkan Aufstieg in der Nacht

Mit Naturgewalten hatten wir auf unseren Reisen in den letzten Jahren schon oft in Kontakt. Wenn ich an den K42 Marathon in den Anden denke, bei dem wenige Tage zuvor in Argentinien ein Vulkan seine Asche ausgespuckt hatte, so dass wir durch Meterhohe Asche liefen oder das Erdbeben mit Stärke 8,6 auf der Richterskala, welches wir einsam im Zelt in Chile auf einem Berg erlebt haben und zwei Tage von der Zivilisation abgeschottet waren.
Dass es hier auf Bali aktive Vulkane gibt, hatte ich bereits gelesen – dass sich der höchste Vulkan Gunung Agung mit 3.142 Meter auch besteigen lässt, stand in meiner Saisonpause nicht auf dem Plan.

Nachdem ich vor Ort etwas intensiver darüber gelesen hatte, kam der Wunsch auf, dort oben zu stehen. Gesagt getan, hatte mir ein Einheimischer Freund von Gisa’s Tante, dessen Hotel „Sawah Indah Villa“ nur 40 Autominuten vom Einstieg auf den Berg liegt, einen Führer besorgt, der mit mir zum Sonnenaufgang oben sein wollte.

Das allerdings bedeutete für uns Beide, nachts um 1:30 Uhr aufzubrechen um die kalkulierten vier Stunden Aufstieg mit Stirnlampe durch die Nacht auf uns zu nehmen. Als wir losfuhren, regnete es in Strömen und da ich eh die empfohlene Ausrüstung nicht hatte, sondern nur meine Adidas Boost Strassenlaufschuhe (mit extra wenig Profil) wurde ich etwas unsicher, mich damit auf nassem Fels zu bewegen. Nachts kurz vor Start ändert man dann allerdings seine Entscheidung nicht mehr und so zogen wir los.

Glücklicherweise hörte es pünktlich am Fuße des Berges auf und nachdem Kadek, mein Guide, seine Opfergaben und ein Gebet für uns am Tempel zum Berg gesprochen hatte, liefen wir die ersten neunzig Minuten teilweise sehr steil durch den Dschungel. Kadek sprach sehr gut Englisch, was ein Glück, denn wir redeten die ganze Zeit und ich erfuhr sehr viel über das Leben und die balinesische Kultur.

Irgendwann endete die Baumgrenze und wir bewegten uns etwa eine Stunde überwiegend auf allen vieren auf dem Fels entlang Richtung oben. Währenddessen überholten wir drei kleine Gruppen, die eine Pause einlegten, die wir (natürlich) nicht brauchten.

Dadurch (allerdings) erreichten wir viel zu früh, bereits nach etwas mehr als zweieinhalb Stunden den Gipfel und mussten nun noch mehr als eine Stunde auf den Sonnenaufgang warten. Zum Glück befolgte ich fast alle Tips und hatte ziemlich alles, was ich an Kleidung hatte, mitgenommen. Denn man kann sich schon vorher ausrechnen, dass bei einer normalen Temperaturabnahme von 0,8 Grad Celsius pro Hundert Meter, es auf 3.000 Meter mindestens 24 Grad kälter ist.

Oben standen wir direkt am Vulkankraterrand, von dem es dreihundert Meter aus in die Tiefe führte. Sehen konnte ich nur ein schwarzes Loch.

Kurz vor Sonnenaufgang erreichten auch die anderen drei Gruppen den Punkt und es bot sich uns ein grandioser Ausblick über den Wollen. Nur ein paar weitere Bergspitzen von über Dreitausendern waren zu sehen und ein brennender klarer Himmel.

Für diese fünfzehn Minuten hat sich der Schlafentzug definitiv gelohnt. Beim Abstieg sah ich dann, wo wir nachts herkamen und war echt erstaunt, mit meinen Lightweight Laufschuhen hier hoch gekommen zu sein. Der Weg nach unten führte dann noch durch die Wolken mit Regen und einigen Affen hindurch und mein Guide sagte mir, dass Er diese Tour noch nie so schnell gegangen wäre.

Beim Abstieg betete Kadek noch einmal und dankte Gott und der Natur für den sicheren Aufstieg und den Gaben der Natur.

Mein Fazit zum Gunung Agung:

– Nur für trittsichere und Geübte. Fehlende Kondition lässt sich durch Pausen kompensieren. Mindestens zwei Liter Wasser und ein paar Riegel/Bananen mitnehmen. Für das Warten auf dem Gipfel braucht man unbedingt ein paar normal warme Kleidung und eine Mütze, denn der Wind oben kann schnell auskühlen.

Stirnlampe vom Guide ist das wichtigste Hilfsmittel – ohne geht es nicht.

Die Tour mit Auf-/Abstieg komplett wird mit etwa neun Stunden angegeben, wir waren sechs unterwegs.
Für eine Viertel Stunde grandiosen Ausblick lohnt es sich – den Tag danach allerdings sollte man zum schlafen und ausruhen planen.

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