Transalpin-Run, Alpencross – das Tagebuch

Alpencross – Transalpin-Run vom 21.07. bis 26.07.2012

Mit meinem Kumpel Daniel Weiser haben wir uns das Ziel gesetzt, den Transalpin Run von 2011 auf eigene Faust nachzurennen. Die original Streckenkarten besorgte Daniel, der auch schon am Transalpin-Run Wettkampf (jedoch eine andere Strecke) teilgenommen hat.

In 6 Tagen von Oberstdorf nach Mals in Italien zu laufen und dabei 205km und 21.000 Höhenmeter zurückzulegen, war der Plan.

Da wir schon im Vorfeld die Berghütten festgelegt hatten, standen nun die einzelnen Tagesetappen fest. Zwischen 29km (mit 3000Hm) und 43km (mit über 4000Hm) ließen die einzelnen Etappen kein Trödel-Tempo zu, denn die Strecken führten größtenteils durch alpines Gelände, welches nicht immer zum Rennen geschaffen war. Ohne Pausen brauchten wir für die einzelnen Etappen zwischen 5:30 Stunden und 7:30 Stunden.

Soweit es die Kräfte abends noch zugelassen haben, führten wir ein kleines Tagebuch. Die Zeitangaben sind reine Laufzeiten (ohne Pausen).

Tag 1: von Oberstdorf (D) nach Riezlern (A) 

Tagesresultat:  30km mit 1613Hm Aufstieg / 1344Hm Abstieg in 5:39 Stunden

Den ganzen Tag im Regen gelaufen, war dieser Einstieg für den Kopf besonders hart, denn außer Berg-hoch/runter, Wolken und Matsch haben wir heute wenig gesehen. Mit einem der schnellsten lokalen Bergläufer an meiner Seite (Daniel Weiser) konnte ich mir unsere geplante Streckenlänge so langsam auch vorstellen. Denn ehrlich gesagt, wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht, was ich mir antun würde. Zwar sind mir die Berge ganz und gar nicht fremd (hab ja schließlich mal im Allgäu gewohnt), aber wandern und rennen sind in der Tat zwei verschiedene Dinge.

Noch waren die Oberschenkel frisch, aber nachdem ich mich ordentlich auf die Nase gelegt hatte (Sturz auf einer glitschigen Bachquerung) schmerzten die linke Hüfte und meine Rippen.

Unser Abendessen beim Nobelitaliener im Ort (Daniel barfuß und ich in Socken – war ja alles nass) sorgte an diesem Abend für verwirrende Blicke.

Das Alpenmurmeltier - ständig präsent auf unserer Tour
Das Alpenmurmeltier – ständig präsent auf unserer Tour
Ende des ersten Tages - es kann nur besser werden
Ende des ersten Tages – es kann nur besser werden

 Tag 2: von Riezlern (A) zur Ravensburger Hütte (A)

Tagesresultat:  29km mit 1908m Aufstieg / 1113m Abstieg in 6:37 Stunden

Schon wieder ein Tag im Regen und die Füße ständig nass. In Regenkleidung rennen ist nicht so meins, da raschelt es ständig. So langsam war ich mir sicher, dass diese (Tor)To(u)r ohne Laufstöcke kaum zu schaffen ist. Der 5 kg Trailrucksack trägt sich zwar sehr gut, aber Gewicht zieht halt immer nach unten.

Durch den gestrigen Sturz hatte ich leichte Atemprobleme (die Rippen Schmerzen), das zog sich den ganzen Tag durch. Durchhalten heißt die Devise – die gestrige Etappe machte sich heute schon sehr stark an unseren Beinen bemerkbar – zudem hatten wir uns am heutigen Tag noch zig-Mal verlaufen. Getrennt (!) erreichten wir die Ravensburger Hütte. Endlich – wir aßen, soviel es geht und schlafen heute auf knapp 2000m – mein Respekt vor den nächsten Tagen wächst.

Tag 3: von Ravensburger Hütte (A) zur Wormser Hütte (A)

Tagesresultat: 36km mit 2389m Aufstieg / 2087m Abstieg in 5:28 Stunden

Wahnsinn, der erste Tag, an dem es für mich richtig gut läuft. Der Abstieg von der Ravensburger Hütte war höllisch schnell – in 45min haben wir im Alpinen Gelände 1000 Hm vernichtet und wie geplant unsere Freunde Nina und Lars getroffen, die schon ein paar Tage im Süden mit dem Rennrad tourten. Gemeinsam machten wir uns auf den Weg und es verging keine Minute, wo nicht einer das Tempo vorne massiv puschte, besonders Nina rockte mit Ihrem Fliegengewicht ordentlich die Bergpassagen. Den Anstieg von Schruns zur Wormser Hütte mit gut 1200Hm nahmen wir in Rekordzeit und waren alle völlig am Ende und steckten oben an einem Wassertrog kurzerhand unsere Köpfe komplett ins kühle Nass. Besonderer Anreiz, vorne zu laufen, sind die vielen Viehgatter, denn der letzte muss es schließen; das bedeutet anhalten und Zeit verlieren – und das will irgendwie keinerJ.

Den riesen Kaiserschmarrn abends haben wir richtig genossen – natürlich nach dem vorherigen Abendessen.

Ach ja, besondere Sportlernahrung kommt bei unserer Tour kaum zum Einsatz, mittags gibst irgendwo auf der Hütte eine Knödelsuppe und abends essen wir so viel wir können! Allerdings ist das anlaufen nach der Mittags-Knödelsuppe sehr mühsam, Riegel passen leider nicht mehr ins Gepäck. Wir hatten schon beim VorPacken alles abgewogen (dafür hatte ich extra eine Digitalwaage gekauft) – Eine Windweste wiegt in etwa 140g oder 2 Riegel ….,  Duschgel ist zu schwer…, Unterhosen…naja, aber nur eine J.

Daniel und ich hatten exakt den gleichen Inhalt im Rucksack, jedoch wollte ich auf die Trinkblase nicht verzichten (ca. 1,7ltr Wasser) wogegen Daniel die Ultralight Lösung bevorzugte – eine 300ml Radflasche, meist leer. Getrunken wurde dann an allen Bächen, Flüssen, Brunnen und was sonst nach Wasser aussah.

Wormser Hütte 2305m mit Nina, Daniel, Lars und René
Wormser Hütte 2305m mit Nina, Daniel, Lars und René
Blick von der Hütte
Blick von der Hütte

Tag 4: von Wormser Hütte (A)zur Zeinisjoch Hütte (A)

Tagesresultat:  29km mit 1288m Aufstieg / 1800m Abstieg in 6:24 Stunden

Der Tag, an dem wir alle dachten, dass es recht locker sein wird (so kann man sich bei den Strecken irren) gestaltete sich mit zur härtesten Etappe. Die schmalen Steige waren kaum rennbar – aber unsere Gruppendynamik hat dafür gesorgt, dass wieder mal das Tempo immer hoch gehalten wurde. Irgendwer konnte immer vorne laufen und hat die anderen angestacheltJ. Leider kam Stundenlang keine Hütte, keine Menschen, so dass wir alle schon unseren Notriegel essen mussten. Endlich nach 5:19 Stunden erreichen wir die Erste Hütte zur Pause. Vier Läufer, vier Mal Spaghetti mit Salat im Bauch gingst  direkt weiter im Laufschritt bis zu unserer Übernachtungs-Hütte auf dem Zeinisjoch. Kurz vor der Hütte kam Nina auf die Wahnsinns Idee, in den kleinen und kalten Bergsee mit maximal 12°C Grad Baden zu gehen – ausziehen, rein springen und schnell wieder raus – mei, war das kalt, aber super erfrischend.

Der Tag endet auf der Hütte mit Kaffee und Kuchen und direktem Anschluss ans Abendessen – gute 3 Stunden verbrachten wir am Tisch – und spielten nebenbei Karten, bis jeder alles verloren hatte…Haus, Hof, Auto weg J

Ab heute Morgen hatte ich einen ständig schniefenden Weggefährten – Daniel hatte sich erkältet, was Ihn aber keinesfalls irgendwie bremste… unglaublich zäh der Kollege.

Tag 5: von Zeinisjoch Hütte (A) nach Scuol (CH)

Tagesresultat: 43km, 1800Hm Aufstieg / 2300Hm Abstieg in 7:27 Stunden

Aufgewacht, strömender Regen – Laune auf dem Minuspunkt, Lars und Nina haben uns nach zwei Tagen verlassen und wir waren wieder alleine. Doch dann war uns das Wetter wieder hold und wir liefen trocken los. Die erste Stunde ging bei mir so gar nichts – meine Oberschenkel wollten einfach nicht Zünden, während Daniel wie immer von Anfang an das Tempo machte. Doch dann nach ca. 8km kam mein kleines Tageshoch und ich konnte den Anstieg bis zur Jamtalhütte (sicher 7km) ordentlich den Tagesschnitt hochtreiben und auch Daniel wenigstens einmal etwas wegrennen, zu unserer Verwunderung lief es am Tag 5 sensationell.

Unser Aufstieg über den Futschölpass (2720m) war das Dach der Tour und total spektakulär.

Auf dem Weg dorthin querten wir zahlreiche Gletscher und haben literweise in uns aufgenommen –feinstes Wasser mit silbrig schimmernder Oberfläche.

Die Schneefelder haben wir mit unseren Schuhen zur Skipiste erklärt, ohne zu wissen, was sich darunter verbirgt – mortz Gaudi, aber anders hätten wir sie nicht überqueren können. Wir hatten etwas Respekt vor den aufkommenden Wolken, die dann beim Abstieg hinter uns auch ordentlich gegrummelt haben – und wir waren froh, zu dem Zeitpunkt nicht höchster Punkt = Blitzableiter zu sein.

Der Abstieg über 800Hm endete auf einer Alm, auf der ein schwuler Ziegenhirte uns genial leckeren Ziegenkäse verkauft hatte. Den Ziegen ging es sicherlich gut dortJ und uns nach dem Käse auch.

Tagesschluss war noch ein 1000Hm Abstieg nach Scuol (CH), der endgültig unsere Oberschenkel sprengte. Aufstiege waren eigentlich nie das Problem, aber stundenlang Berg runter laufen ist der Horror für die Beine – irgendwann kann man seine Muskeln nicht mehr richtig kontrollieren und jedes Anlaufen fällt schwer.

Glück gehabt und günstig im Backpackers Hotel das vermeintlich letzte Zimmer bekommen (sagte die Dame dort nämlich Jedem) und mit Daniels selbstgekochtem, ging der Tag zu Ende. Leider hatte ich meine Joghurtsucht nicht im Griff und vernichtete in der Nacht auch noch Daniels 500g Joghurt – seine  schlechter Laune am Morgen konnte ich nicht verhindern.

Aufstieg zum Futschölpass (2720m)
Aufstieg zum Futschölpass (2720m)
Ausblick vom Futschölpass
Ausblick vom Futschölpass
Schuh-Skifahren auf dem Schneefeld - Daniel geht ab
Schuh-Skifahren auf dem Schneefeld – Daniel geht ab

Tag 6: von Scuol (CH) nach Mals / Malles (I)

Tagesresultat: 37km mit 1394m Aufstieg / 1509m Abstieg in 6:03 Stunden

Jeden Tag fragten wir uns erneut, wie wir den bevorstehenden Tour-Tag überstehen können. Die Beine und eigentlich der ganze Körper wurde zunehmend müde und es dauerte „jedenfalls bei“ mir immer länger, bis ich meinen Rhythmus gefunden habe. Unser Tageshighlight war die Querung des Schlinigpass (im Vinschgau) mit der Val d’Uina Schlucht, bei der wir einige Felsröhren durchliefen. Grandioser Ausblick erwartete uns und oben angekommen konnten wir sogar ein paar MTB Fahrern zeigen, was Tempo am Berg bedeutet, bevor es dann 1100Hm abwärts zu unserem Ziel, Mals in Italien ging.

Für den Abstieg brauchten wir gute 1,5 Stunden und die Oberschenkel wollten eigentlich gar nicht mehr. Die letzten 3km vorbei an einem riesigen Kloster, konnten wir zum Abschluss mit vollem Tempo rennen (auf der Ebene ging es auch wieder) und beendeten unsere Tour auf dem größten Platz von Mals mit unseren Jubelschreien, die außer uns aber keiner deuten konnte oder wollte.

Wir hatten diese große Strapaze heil überstanden und tatsächlich einen Teil der Alpen überquert – 205 km gerannt / gewandert mit 21.000 Höhenmetern (10.600Hm Aufstieg und 10.400Hm Abstieg) in 6 Tagesetappen mit knapp 38 Stunden.

Wir belohnten uns feierlich, stinkend, aber stolz auf dem Dorfplatz mit frischer Milch und Vinschgauer Brot.

Bericht im Bonner Generalanzeiger erschienen am 10.08.2012, link:   http://www.general-anzeiger-bonn.de/lokales/region/Ausdauertraining-auf-dem-Transalpin-Run-article829007.html

In den Fels geschlagener Pfad Richtung Italien (Schlinigpass)
In den Fels geschlagener Pfad Richtung Italien (Schlinigpass)
1910 wurde ein 600 m langer Felsenweg in die senkrechte Wand geschlagen.
1910 wurde ein 600 m langer Felsenweg in die senkrechte Wand geschlagen.
Ziel erreicht - Dorfplatz Mals in Italien
Ziel erreicht – Dorfplatz Mals in Italien

Ziel erreicht – Ankunft in Italien (Mals)

Heute gegen 15:30 Uhr sind Daniel Weiser und ich in Mals (Italien) angekommen.

In 6 Tagen von Oberstdorf nach Italien. 205km und ca. 21.000 Höhenmetern im teils sehr alpinen Gelände mit je 5kg Gepäck – wir sind über glücklich und machen uns morgen auf die Heimreise.
Für mich ist es eines der härtesten Touren, die ich bisher gemacht habe.

Ein ausführlicher Bericht mit tollen Fotos folgt !

Tourtag Nr. 3 ist geschafft.

Regen soll uns nicht aufhalten- die ersten zwei Tage haben wir mit insgesamt 62 km und 3000 HM auf und ab, aber leider sehr nass geschafft, erste Übernachtung in Riezern und zweite Übernachtung auf der Regensburger Hütte (auf 1950m). Heute wartete endlich die Sonne auf uns. Nach einem Super Frühstück sind wir den Abstieg in 45min gerannt und haben dabei gut 1000Hm vernichtet, um dort Nina und Lars zu treffen. Gemeinsam ging es dann zu viert über Schruns bis zur Wormer Hütte (auf 2307m). 36km heute und der Anstieg von Schruns zur Hütte mit 1500Hm haben gerockt und richtig Spass gemacht und uns nach 5:30 Stunden und 2300Hm auf / 2000Hm ab, endlich das heutige Ziel erreichen lassen. Die teils alpinen Abschnitte haben wir richtig genießen können.
Das ist unsere Aussicht für heute.
Jetzt gibts gleich Hüttenessen und dann morgen bei hoffentlich gutem Wetter Richtung Schweiz.

Start in Oberstdorf

Start in Oberstdorf

Blick von unserer Wormser Hütte auf 2307m

Blick von unserer Wormser Hütte auf 2307m

Alpen Run: 4 Länder, 6 Etappen, 210 km, 10.400 Höhenmeter Aufstieg

Wie geplant, geht es am Samstag, 21.07.2012 mit meinem Freund Daniel Weiser nach Oberstdorf, dort werden wir einen großen Teil des Gore-Tex Transalpine-Run (2011er Strecke) nachlaufen, nämlich 6 Etappen mit ca. 210 km und 10.400 Höhenmeter Aufstieg.

Von Oberstdorf – Hirschegg – Schruns – Galtür – Scuol geht es bis nach Mals (Italien) – in 6 Tagen.

Etappen 1-6 werden gerannt
Etappen 1-6 werden gerannt

Die Vorbereitungen laufen und mit ca. 5 kg Gepäck werden wir sehr minimalistisch unterwegs sein – Daniel, der schon mehrfach den Transalpin mitgerannt, ist unser Erfahrungsträger. Entgegen der üblichen Übernachtungen in den Ortschaften haben wir uns für die oberen Berghütten entschieden – höchst-gelegener  Schlafplatz wird bisher auf 2390 m sein.

Mehr Informationen folgen.