Ironman Lanzarote – Lava, Wind und Wille

Ironman Lanzarote oder auch „The toughest Ironman in the World“ so lautet die offizielle Bezeichnung dieser Triathlon Langdistanz. Diese Insel zieht einen in seinen Bann und lässt Dich nicht mehr los. Wo noch vor 195 Jahren der letzte Vulkanausbruch die Insel weiter formte, ist es heiß unter der Erdoberfläche und zusammen mit den Winden befindet man sich an einem Ort, der nicht von dieser Welt scheint.

Das erzeugt auch bei den Triathleten Respekt, anstatt der für eine Langdistanz üblichen 2-3000 Athleten, sind hier etwa die Hälfte am Start.
Letztes Jahr fiel die Entscheidung für mich, hier zu starten. Wahrscheinlich hatte ich mich einfach nie getraut, ich kenne die Insel einfach zu gut und konnte mir denken, was mich erwarten würde.

Der Vortages Rad-Check-In war schon ungewöhnlich, denn der typische Lanzarote Wind blies die Tage zuvor so heftig, dass ich mein Rad in der Wechselzone am Ständer mit tape fixieren und die Schaltkomponenten vor dem Sand schützten musste. Die Wechselzone befand sich nämlich auf dem Strand, zwar mit Bodenplatten bedeckt, aber Sand bedeutet für Kette und Co. den sicheren Tod in Raten. In der Nacht vor dem Rennen tobte der Wind dann auch erwartet kräftig. Der Renntag fing früh um 3:30 Uhr mit den Vorbereitungen an und um 7 Uhr erfolgte der Massenstart ins 18 Grad warme Meer.

Auch diese harte Form des Starts ist mittlerweile auf der Langdistanz nicht mehr üblich, mit Ausnahme von Lanzarote. Ich hatte mich im Vorfeld auch wirklich darauf gefreut. Zu meinem Nachteil positionierte ich mich allerdings gemäß meiner zu erwarteten Schwimmzeit um die 65 Minuten, was leider viele Athleten vor mir nicht taten und so dauerte es nach dem Startschuss mehrere Minuten, bis ich im Wasser war. Was mich dort erwartete, hatte ich so noch nicht erlebt.

Es glich einem Haifischbecken, in das Futter geworfen wird. An Schwimmen war kaum zu denken, eher eine Mischung aus Delphinkicks, Brust, Kraul und gegenseitiges Gehaue zog sich etwa 2/3 der Strecke dahin und löste sich auch nicht richtig auf. Zwischendurch jede Menge Salzwasser durch die doch ordentlichen Wellen – mein Magen hatte keinen Spaß. Dazu gab es an jeder Boje den üblichen Schlagabtausch… hätte ich mich mal wie sonst, weiter vorne aufgestellt, wäre vielleicht freies schwimmen möglich gewesen, auf jeden Fall aber weniger Körperkontakt. Da beneide ich immer die guten Schwimmer, die einfach vorne besser weg kommen. Irgendwie kam ich nach etwas längeren fast vier Kilometern aus dem Meer und die Zeit war doch nicht so schlecht, vielleicht auch durch die Sogwirkung der Meute.

Ab durch den Strand, rein in T1, doch aus Gewohnheit die eigentlich positionierten Socken vergessen, saß ich halt ohne, dafür die Füße voller Sand im Radschuh, endlich auf dem Rad und ging es auf den 182,5 Km langen und mit 2.500 Höhenmetern Kurs, den man schon bergig nennen kann. Den harten Stempel drückt aber der Wind auf, der stetig mit 35 km/h blies und vor allem auf den bergab Passagen mit Böen attackierte.

Leider erwischte ich keinen guten Tag, anscheinend hatte ich soviel Salzwasser geschluckt, dass mir auf dem Rad die ganze Zeit schlecht war und mehrmals mein Magen krampfte, so dass ich weniger Energie zu mir nehmen konnte, als geplant.
Das nennt man dann wohl “sterben” auf Raten, denn bei meinem Gesamtverbrauch von gut 9.000 Kcal im Rennen, geht es eh immer nur darum dass „Defizit nicht zu groß werden lassen“ und so befand ich mich schon recht früh in einer Negativspirale: zu wenig Energie = wenig schnell = länger unterwegs = größeres Energiedefizit.
Und wenn ich auf der „normalen“ Langdistanz etwa fünf Stunden für die Radstrecke benötige, so rechnete ich hier schon mit etwa 45 Minuten plus. Daraus wurden dann 6:25 Stunden.

Übrigens ist diese Radstrecke im Hinblick auf faires und windschattenfreies fahren ganz weit vorne, denn lutschen bringt auf diesem Kurs einfach keinen Vorteil.

Wenn’s klemmt, dann meistens an mehreren Stellen. Zwei technische Stopps hatte ich auf der Radstrecke, um meinen hinteren Flaschenhalter festzuschrauben, dessen Eigenfrequenz anscheinend durch die teilweise raue Fahrbahn angeregt wurde und sich dadurch die Schraube löste. Ab sofort wird auch der mit Loctite gesichert.

Trotz allem, der Kurs ist immer wieder atemberaubend schön. Bizarre Vulkanlandschaften gepaart mit Blick aufs Meer und Straßen, die sich durch Lavafelder schlängeln. Diese Insel liebt man oder eben nicht. Es gibt hier Stellen, unter dessen Erdoberfläche es drei Meter darunter mehrere Hundert Grad hat.

Nun war mir klar, das Lanzarote mit Abstand kein Bestzeitkurs und ich sicher deutlich länger brauchen werde. Selbst die Profis waren an diesem Tag eine Stunde länger unterwegs.

Wenn man aber T2 (also die zweite Wechselzone) erst nach 7:41 Stunden Rennzeit erreicht und noch einen Marathon vor sich hat und die Nahrungsaufnahme eigentlich gar nicht mehr funktioniert, weil Übelkeit, dann ist das keine ideale Motivationsgrundlage. Und eben das macht das Rennen hier wohl so hart, das Kopfkino. Bei kaum einen Wettkampf passt das Zitat von Boris Becker so gut, wie hier auf Lanzarote: “gewonnen und verloren wird zwischen den Ohren”.

Da die Faktenlage energetisch gesehen mit der Vorbelastung von zwei Disziplinen, eben so war, wie sie war, rannte ich trotzdem nicht langsamer, was sicher schlauer gewesen wäre. So startete ich mit dem Tempo, das ich mir im besten Fall vorgenommen hatte in der Hoffnung, meinen Körper auszutricksen und Ihn durch einem Überraschungseffekt neu zu motivieren. Sieht natürlich auch mega cool aus, wenn Du da aus T2 geschossen kommst und erstmal alle überholen kannst – in den meisten Fällen hat das dann auch immer funktioniert und es kam nen schneller Marathon dabei raus.

So lief ich also im 4:32 er pace auf den ersten fünf Kilometern an und bekam recht schnell die ernüchternde Rückmeldung, dass die Beine zwar wollten, aber es ohne Energie so nicht funktionieren würde.

Mehrere Versuche, Gels zu mir zu nehmen, endeten immer wieder im Würgereiz. So verfuhr ich nach dem Notfallplan, etwas Cola versuchen und dabei durchlaufen.
Bei km 25 meldete sich meine Garmin Uhr mit der Meldung „Akku leer“. Na prima, die Uhr wusste anscheinend besser als ich, wie es mir tatsächlich ging.

Ich erreichte nach 11:37 Stunden dann das Ziel und war damit zwar deutlich über meiner angepeilten Zeit, aber immerhin Platz 241 von 1670 Startern, wobei etwa 20 % das Ziel nicht erreichten. Leider auch einige deutsche Profis darunter, die anscheinend auch Magenprobleme hatten.

Ich hatte mein Ziel damit erreicht, auch wenn es diesmal nicht das A sondern das B Ziel war und konnte endlich nach so langer Zeit stehen bleiben, was ein befreiendes Gefühl!

Rückblickend kann ich jetzt bestätigen, dass Lanzarote Ironman für mich härter war, als Hawaii und alle anderen Kurse, die ich kenne. Ich bekam einige Nachrichten am Abend, dass hier einfach andere Gesetze gelten und ich mich jetzt wirklich mal Ironman nennen darf, nach 12 Jahren Langdistanz… Nun ja, etwas ist da für mich dran. So richtig mit Geschwindigkeit ballern lässt sich dieser Kurs eben nicht.

Fazit: Wer es sich mal so richtig geben will, ist auf Lanzarote genau richtig!

Diese Medaille bekommt definitiv einen Sonderplatz. Egal ob schlechten Tag erwischt oder nicht, dieses Rennen ist einfach so mega gut und ein Kampf gegen die Elemente, diese Erfahrung sollte in keiner Langdistanzkarriere fehlen!

 

Raceweek Lanzarote

Es ist die Rennwoche vor dem Ironman Lanzarote und nach 16 Wochen Training wird es Zeit für ein kleines Resümee. 

Drei Wochen nach dem Ultra Trailrun in Australien konnte ich Ende Januar endlich das Training für den Ironman starten.

Eine wirklich strukturierte Vorbereitung hatte ich durch meinen Trainer Christian Manunzio, der mir in seiner Trainerrolle und speziell als Sportwissenschaftler eine menge Neues beigebracht hat und jederzeit für mich erreichbar ist. Nun betreibe ich Triathlon seit 15 Jahren und dass immer alles passieren kann, ist ja allgemein bekannt.

Diesmal kam es mitten in der Vorbereitung zu einem massives Knieproblem und das Rennen schien kurzzeitig gefährdet. Doch mit Wille, Geduld und Unterstützung wurde es besser.

Somit scheint das nun im Griff zu sein und ich musste lediglich den Schwerpunkt etwas mehr aufs Rad verlagern und mich einfach mental darauf einlassen. Auch das ist Triathlon, den Schwerpunkt bei Bedarf anpassen, Trainingsalternativen finden (und mögen sie noch so uncool scheinen) und dabei den Fokus immer beibehalten.

Wenn ich sonst nach Lanzarote kam um mir hier erst die Form aufzubauen, so bin ich nun bereits mit Form aus dem Flieger gestiegen, ist ja auch mal ein tolles Gefühl.

Als Zahlenliebhaber kommen jetzt noch einige Daten der letzten Wochen.

In 16 Wochen durfte ich 285 Stunden trainieren. Davon 143 Stunden auf dem Sattel mit etwa 4.000 km, 55 Stunden Laufen mit 709 km, 42 Stunden kacheln zählen mit 114 km, 3 Stunden Aquajoggen und 42 Stunden Athletik und Dehnen.

In der Vorbereitung hatte ich zwei Vorbereitungsrennen, einen Halbmarathon und einen Duathlon, jeweils mit AK Sieg, war einmal zum Training auf Lanzarote und habe in der gesamten Zeit 978 Stunden geschlafen und dem Körper dabei alle Möglichkeiten offeriert, sich wieder zu erholen.

Weitere unnütze Zahlen der letzten 16 Wochen sind: 33.243 Höhenmeter, Durchschnittliche Herzfrequenz im Training von 130 Schlägen und einen zusätzlichen Energieverbrauch in Höhe von 141.627 Kilokalorie (kcal).

Das entspricht etwa dem Energiegehalt von 53 Nutella Gläser oder 265 Tafeln Schokolade.

Da ich gerade dabei war und meine sauber geführte Excel Tabelle der letzten Jahre es einfach hergibt. In den letzten 15,5 Jahren durfte ich circa 6,1 Mio Kcal zusätzlich zu mir nehmen, um diesen Verbrauch zu decken. Damit ist bewiesen, warum bei diesem Sport so viel gegessen wird 😉.

Grafiken, Kurvenverläufe und sonstige Statistiken erspare ich Euch.

Wenn es am Samstag, auf Lanzarote mit einem Massenstart zum Schwimmauftakt mit weiteren 1660 Startern ins Meer geht, werde ich mit Start-Nr. 1177 optimal vorbereitet sein.

Aufgrund des starken und böigen Lanzarote Windes, ist hier das Bike Setup bewusst nicht ganz so aerodynamisch gewählt, schließlich ist Priorität mich auf dem Rad auch zu halten.

 

Lanzarote 2019 – es geht weiter

Jahr führ Jahr seit 10 Jahren verbringe ich mein wichtigstes Training auf Lanzarote, bisher waren es 156 Tage Trainingstage hier auf der Insel. Was liegt da näher, als im Mai beim Ironman Lanzarote am Start zu stehen.

Im Langdistanz Ranking der härtesten Triathlon Rennen steht Lanzarote noch vor Hawaii und Südafrika und da ich diese Rennen erleben durfte, glaub ich das auch. Mit 2.500 Höhenmetern und unkalkulierbarem Winden kenne ich die Strecke sehr gut und habe Respekt davor.

Diese Saison starte ich mit neuem Trainer, Christian Manunzio, von dem ich mir jede Menge neuen Input und frische Motivation erhoffe und bisher auch erhalten habe. Nun hat mein Körper zehn Tage Lanzarote Training und damit einen guten Meilenstein auf dem Weg bekommen, welches jetzt gut verarbeitet werden will. Besonderen Fokus haben wir auf die Grundlageneinheiten gelegt, also locker und lange im Sattel sitzen und besonders locker und sauber laufen. Auch das Thema Eiweiß habe ich nun mehr beachtet, das kam bisher immer sehr kurz und somit vielleicht auch die Regenerationsfähigkeit nicht optimal. Mein Körper und Kopf sind immer offen für neu Reize und Methoden, nur durch Versuch und Irrtum lässt sich Leistungssteigerung erzielen.

Ähnlich verhält es sich im Beruf, Stichwort „Fehlerkultur im Job“. Zu diesem Thema habe ich ein neues Seminar für Unternehmen entwickelt und bisher eine hohe Resonanz erfahren dürfen. Der Titel: „Spitzenleistung durch Techniken aus dem Profisport“ begleitet den Teilnehmer einen Tag lang mit Beispielen und praktischen Ansätzen aus dem Leistungssport durch sein berufliches Umfeld und deckt erstaunlich viele Parallelen zwischen Sport und Beruf auf.

Bis zum Rennen im Mai sind diesmal nur zwei Vorbereitungsrennen geplant, auf die ich mich besonders freue. Besonders herausragend sind meine Laufräder von Ralf Prima, eine der leichtesten Laufräder derzeit auf dem Markt. Filigran und doch sehr robust sind diese Räder ideal für Training und Wettkampf, in vielen Farben verschleißfest pulver beschichtet passt dieses Modell in rot optimal zu meinem Rad. An dieser Stelle ein großes Danke an Oliver Nekola, Deutschlandvertrieb für Ralf Prima und Betreiber von HPV parts, für das Vertrauen in mich und meine Leistung seit genau einem Jahr.

Lanzarote und besonders meine lieb gewonnenen Freunde dort sind immer eine Reise Wert.

 

 

64 km Trail run Australia Bogong2Hotham

What the bloody hell was that for an epic run in Australia?

The answer is Bogong2Hotham!

Auf Anraten von Moritz (einer der heftigsten Trailrunner, den ich kenne) hatte ich mich zum 32. Bogong2Hotham Trail run angemeldet. Ein 64 Km Traillauf mit 3.500 Hm uphill und 2.550 Hm downhill im Victoria National Park, etwa 400 km nord/östlich von Melbourne.

Ein Kultrun in Australien, der es in sich haben sollte, dementsprechend sahen die Teilnehmer auch aus und gemeinsam fanden sich die Täter zum sehr intensiven race briefing am Startort Mount Beauty ein.

Eine unmarkierte Strecke quer durch die Berge mit knietiefer Flussdurchquerung und einem sehr ambitionierten Streckenbeginn, dass uns mit knapp 1.400 Höhenmeter auf den ersten 8 Kilometern auf die Strecke einstimmen sollte.

Es erfolgte noch eine kurze Einweisung zum Schlangenbiss-Tape, ziemlich vielen Notrufnummern (auch wenn die Hälfte der Strecke gar keine Netzabdeckung haben sollte) und einer sehr strengen Kontrolle über die Ausrüstung, die im Laufrucksack mitzuführen war und inkl. Wasser gute 3,5 kg auf die Waage brachte.

Neuland war das Schlangen-Kompressionstape samt Einweisung  zum Abbinden sowie die Anweisung bei Notdurft seinen Rucksack auf den Weg zu legen, damit bei man bei einem evtl. erfolgten Biss schneller gefunden wird oder aber der Kontrollläufer am Ende Bescheid weiß.

Bei „heavy weather” conditions 4.000 Kilojoules an Nahrung mehr mitzuführen, hab ich so auch noch nicht erlebt sowie der geforderte mechanische Kompass mit Kartenmaterial und zusätzlich der digitalen Version auf dem Smartphone (dessen Funktion sogar auch geprüft wurde). Der Veranstalter war definitiv an unserer Sicherheit interessiert und untermauert dies alles noch mit dem Satz „INADEQUATE GEAR = NO START = NO EXCEPTIONS“.

Das Wetter war hier wie üblich sehr wechselhaft, so war es zwei Tage vor dem Start noch 43 Grad heiß und am Tag danach nur noch 17 Grad. Nachdem am Renntag alle Teilnehmer einzeln aufgerufen wurden, erfolgte unspektakulär, ohne großes Tamtam oder Countdown der Start am Fuße des Berges um sechs Uhr.

Vom Start weg ging es direkt in den Berg und zu Beginn noch um die Bäche herum. Irgendwie hatte ich mit breiteren Wegen gerechnet, da es ja nur bis knapp Zweitausend Meter hoch ging und irgendwie hatte ich auch vergessen, wie hilfreich Trail Stöcke am Berg sind und dass meine nun dummerweise grad in Bonn liegen. Mit steinigen, schmalen Trails, die mit langen faserigen Eukalyptus Rinde Stücken immer wieder als Stolperfallen dienten, hatte ich auch nicht gerechnet. Trotzdem dieser Lauf zum 32.Mal stattfindet, fand ich im Vorfeld kaum Rennberichte darüber.

Eukalyptusduft zog sich durch den gesamten Lauf und es duftete, als wenn man eine Flasche Erkältungsbad öffnet, wahnsinnig intensiv. Die Trails waren so abgelegen, dass einige Helfer mit dem Zelt tags zuvor aufgestiegen waren, um rechtzeitig und vor uns am jeweiligen Kontrollpunkt zu sein um über Funk unsere Position zu übermittelten.

Im ersten Tal erwartete uns ein reißender Bach, der knietief zu durchqueren war. Es dauerte den ganzen weiteren Anstieg, bis die Füße wieder trocken waren und noch länger, damit meine Einlegesohle wieder faltenfrei war.

Bei Kilometer 35 schaute ich das erste Mal auf meine Gesamtzeit mit 4:50 Stunden auf der Uhr und wusste nicht, ob ich mich über die den größten Anteil der Höhenmetern freuen sollte. Ich war schon ziemlich „cooked“ wie der Aussie so sagt und noch knappe dreißig lagen vor mir. An dem Punkt gab es auch eine Random Control, bei der jeder TN zwei zufällig ausgewählte Gegenstände der Packliste vorzeigen musste, quasi eine Schummelkontrolle, die bei fehlendem Teil mit einer Disqualifikation geendet hätte.

Apropos Verpflegungsstellen, es gab quasi keine! Eine Handvoll Stellen an denen es lediglich Wasser und viertel Orangenstücken gab, kein Gel, keine Riegel, keine Energie. Weil mir das im Vorfeld nicht klar war und ich von europäischen Verhältnissen ausgegangen bin, hatte ich ganze vier! Gels dabei – für 64 Kilometer! Das Zeug war natürlich schnell weg und ich war leer.

Der Körper kann ja bekanntlich ziemlich viel wegstecken, wenn der Kopf „ja“ sagt und so musste es auch ohne Nahrung funktionieren. Die Trails wurden schmaler, die Sonne brannte gnadenlos und die letzten drei Stunden gab es auch keinen Schatten mehr. Nachdem ich zwischenzeitlich fast eine Stunde für vier Kilometer brauchte, weil es kaum mehr laufbar war, hatte ich auch aufgehört mir irgendeine Zielzeit errechnen zu wollen. Ich wusste ja nicht, was noch kam?! Von hinten lief ein ausgewanderter Schweizer heran, der für etwas Abwechslung sorgte, ansonsten sah man sich kaum auf der Strecke, jeder steckte irgendwo im nirgendwo.

Bei Kilometer 52 und etwa sieben Stunden im Rennen freute ich mich auf die eigentlich mal kalkulierte „letzte“ Stunde. Das war wohl nichts, ich brauchte dann noch etwas mehr als zwei davon, da auch noch ein Tal zu queren war.

Zwischendurch wurden wir noch von den 35 er Läufern überholt, die sich für die „kurze“ Strecke entschieden, zum Glück aber farblich markiert waren, damit es für uns nicht ganz so frustrierend war, überholt zu werden.

Ich hatte keine Ahnung, wie sich neun Stunden Trail running anfühlten, denn ich bin noch nie so lange gerannt. Aber irgendwann endlich sah ich den Mount Hotham und auf meiner Uhr stand eine neun davor!

Im Ziel empfing mich ein zwei Mann Zielkomitee mit banner. Als ich gerade und endlich anhalten wollte, zeigte mir der Race Direktor den höchsten Felsen dort, den ich noch berühren musste. Erst dann waren 64 Kilometer geschafft und es war 9:12:35 Stunden später, als noch am Start und ich mit Platz 19 im Ziel.

Ich stand also im Ziel und hatte mich schon seit Stunden wenigstens auf die Ziel-Verpflegung gefreut. Anscheinend etwas zu früh, denn außer Wasser und den bekannten viertel Orangenstücken gab es jetzt „on top“ nur noch etwas Schokolade dazu …

Egal! Bogong2Hotham hab ich gerockt, in etwa der Zeit eines Ironman bin ich gelaufen.

Der Körper unser Wunderwerk kann fast alles, wenn der Wille stark genug ist! Das zeigt dieser Sport immer wieder auf eindrucksvolle Weise und zwei Tage später ist normales gehen schon fast wieder möglich und ich hab auch irgendwie schon wieder Lust auf Bewegung.

Great Ocean Road mit dem Tandem

Anfang 2018 kam uns die Idee, die Great Ocean Road an der Südwestküste Victorias in Australien, einer der schönsten Küstenstraßen der Welt zu fahren – und zwar nicht mit dem Auto sondern dem Tandem.

Verschiedene Touren in Bonn und zehn Tage Mallorca mit Klickpedalen nutzt wir als Vorbereitung und es erwies sich als echt schwierig, überhaupt an ein Miettandem zu kommen, was halbwegs im guten Zustand war. So verbrachte ich viele Ausfahrten mehr mit Schrauben als pedalieren. Ein Tandem von Deutschland aus in Australien zu besorgen, war die nächste Herausforderung. Übers Internet wurde ich bei James in Melbourne fündig, der uns ein Tandem mit Gepäcktaschen verlieh. Wir montierten unsere mitgebrachten Sattel und nahmen noch weniger mit als geplant.

Mit begrenztem Platz kam nur Minimalausrüstung in Frage und natürlich dem Hilleberg Niak Ultra leicht Zelt mit 1,1 kg Gesamtgewicht (3 Minuten Aufbau und ernsthaft wetterfest) – das beste Zelt, dass ich hatte.

Das Zelt hatten wir in der Zeit davor in Tasmanien schon ausgiebig genutzt und im Siebengebirge zu Hause getestet- Never use new equipment in a race!

Die erste Nacht vor unserem Start fanden wir über „warmshowers“ (eine weltweite Plattform für Radfahrer, die sich gegenseitig kostenfrei übernachten lassen) eine gute Unterkunft. Trish, unser Host plante grad Ihre vier Monate Japan Radreise und hatte Spass daran, zu hosten und Storys mit anderen zu teilen. Selbst hatten wir ein paar Wochen zuvor einen über 70 jährigen US Amerikaner bei uns eine Nacht wohnen lassen, der mit seinem Rad Europa durchquerte. Wir bekochten Ihn und schickten Ihn einen Tag später auf die Strecke. Tolle Plattform, ähnlich wie Couchsurfing jedoch von und für Radfahrer.

Als erste Etappe ging es von Warrnambool immer entlang der B100 (Great Ocean Road) Richtung Osten.

Tandem fahren hat mit Rennrad wenig gemeinsam, außer treten. Durch das hohe Gesamtgewicht von zwei Fahrern plus Gepäck und einem Stahlrahmen ist die Spritzigkeit dahin und leichte Hügel lassen sich nicht wegdrücken, wie ich es vom Rennrad gewohnt bin. So heißt es an jedem Berg, „gear down“ und langsam hoch, Bergab und auf der Geraden lief es geschmeidig flott.

Kommunikation ist auf dem Tandem alles, ob schalten, bremsen, Kurve, Schlagloch, auf-/absteigen,… Pilot und Stoker müssen ständig den gleichen Wissensstand haben.

Der erste Tag lief mit knapp Hundert Kilometern und vielen Stops am Meer entlang echt gut, es war mit über dreißig Grad richtig heiß. Am berühmten 12 Apostel war die Hölle los und so suchten wir unseren Platz für die Nacht ein paar Kilometer weiter und schafften es grad noch vor dem Regen aufzubauen. Die ganze Nacht regnete es durch und am nächsten Tag war es kühl, nass und wir hatten den ganzen Tag nur Höhenmeter vor uns. Out of food und electric power (Blöd, wenn eine Powerbank nicht ausreicht) fanden wir endlich ein Food Store und deckten uns ordentlich ein. Der Tag war wirklich hart für uns, aber wir mussten weiter und der sechs Kilometer lange Sandweg nur aus Querrillen bestehend setzte noch einen drauf. Warum nur gab es kaum Radfahrer und schon gar kein Tandem auf dieser Strecke? Zeltplätze erwecken in mir eine große Abneigung, wenn schon Zelt, dann wild und in der Natur, aber wir hatten keine Wahl.

Zweifel kamen auf und mitten im Nirgendwo fanden wir plötzlich einen „wild Camping spot“. Eine Art Campingplatz mitten im Busch. Natürlich waren wir die Exoten mit dem Rad – die Mehrzahl hatte Ihr Zeltdach auf dem Geländewagen aufgeklappt und saßen schon mit nem Bier davor. Hier in Australien hat gefühlt jedes dritte Fahrzeug ein Zeltdach installiert um in der Wildnis zu schlafen, Hotels sind ja meist auch langweilig.

Irgendwie war das nicht unser Tag und ich erkundete die Gegend als plötzlich neben mir aus den Eukalyptusbäumen Geräusche kamen. Koalas!!! Direkt neben unserem Zelt und auch noch aktiv – vier Koalas saßen nicht nur schlafend dort, sondern kletterten herum. Welch eine Wendung des Tages – als dann kurz vor Sonnenuntergang noch mindestens fünfzig Kakadus und Papageien eine Mega Flug- und Soundshow über dem Platz ablieferten, war alles vergessen. Was ein Glück hier zu sein. Am nächsten Morgen übrigens das gleiche laute Spektakel der Vögel weit vor sechs Uhr.

Am dritten Tag wollten wir es schlauer angehen und frühzeitiger einen Platz fürs Zelt suchen. Das war wirklich schwierig, zwar gibt es genug Platz, aber wenig unbewachsene Fläche. Außerdem wollten wir nicht direkt im Busch aufschlagen, der giftigen Schlangen wegen. Die ersten zwei Stunden schafften wir mit dem Bike sagenhafte dreißig Kilometer mit knapp 800 Höhenmetern auf größtenteils Sandweg mit Rillen.

Bereits am ersten Berg wollte die Scheibenbremse mal kurz zerlegt werden, weil sie sich festgesetzt hatte und die Bremsleistung dramatisch abnahm – das Bike entsprach wirklich nicht meinem Qualitätsanspruch. Sicherheitshalber hatte ich aus den Erfahrungen der geliehenen Tandem bikes zuvor mein eigenes Werkzeug und Kabelbinder dabei.

Abends fanden wir einen richtig schönen Platz, zehn Meter vom Meer entfernt. Mit Meeresrauschen einschlafen ist so ziemlich das Schönste was ich mir an Geräuschen vorstellen kann.

Wir kamen mal wieder mit ein paar locals ins Gespräch, was die Sache abrundete.

Am letzten Tag der Tour erwartete uns der schönste Streckenabschnitt, die ersten 64 Kilometer führten direkt am Meer entlang auf der Strasse mit Sonne! Soviele Postkartenmotive lassen sich kaum aufsaugen und mit einem guten Kaffee am Morgen und einem frischen Fisch mittags kamen wir dann nach knapp neunzig Kilometern am open water Pool in Geelong an und sprangen erstmal ins Meer, das war unser Silvestertag.

310 Kilometer und 3.3000 Höhenmeter klingen nicht viel, mit Tandem und Zelt war es ein wirkliches Erlebnis und echt anstrengend – eine tolle Alternative zum Auto.

Jetzt sind es noch vier Tage bis zum Bogong2Hotham run.

Unberührte Natur in Tasmanien

Nach genau 40 Stunden Reisezeit haben wir unsere erste Unterkunft in Hobart in Tasmanien erreicht, Luftlinie sind es genau 16.915 Kilometer entfernt von Bonn. Zwei Mal 11 Stunden Flug über Shanghai und dann noch ein kurzer Flug sind dann schon eine halbe Weltreise.

Die sechs Stunden Stopover in Shanghai haben wir prima genutzt, um mit dem Maglev (Transrapid, Deutsche Ingenieurskunst die bei uns leider nicht, in China jedoch sehr wohl funktioniert) zeitweise mit Tempo 430km/h vom Flughafen in die City zu fahren, um die Skyline von Pudong zu bewundern und anschließend in einem foodcourt zu essen – lohnt sich.

Die ersten Tage war akklimatisieren mit einer Unterkunft privat über Airbnb und ein paar Trail Run Einheiten hoch zum Mount Wellington (1.250m) angesagt. Stefan unser Airbnb host kam ursprünglich als Antarktis Forscher nach Tasmanien und hat sich nun hier niedergelassen. Er lebt fast Müll frei und baut vieles selbst an. Wir wurden sogar bekocht und zum Abschied backte Er uns noch eine Linzer Torte.

Tasmanien zeichnet sich vor allem durch sein wechselhaftes Klima und die unglaublich saubere Luft aus. An einem Tag hatten wir 14 am nächsten plötzlich 33 Grad, gefolgt von Nass und kalt und im nächsten Moment Sonne und Strandwetter.

In Tasmanien sowie auch die Teile von Australien die wir letztes Mal bereist haben, fanden wir an quasi jeder Ecke und Stränden öffentliche Einrichtungen wie BBQ Grill, Toiletten, Duschen und Trinkwasserstationen. Im Gegensatz zu D sind diese Einrichtungen richtig gut gepflegt, sauber und mit Verstand gebaut. So wünschte ich mir das auch für uns. Hat sicher auch damit zu tun, dass jeder Nutzer sorgsam damit umgeht.

Zwei Tage zelteten wir direkt mit etwa zehn Meter Abstand zum Meer. Wild Zelten ist überall erlaubt, wo es nicht explizit verboten ist. Und mit der Brandung vom Meer einzuschlafen ist einfach unbezahlbar. Unsere chinesischen Freunde (eigentlich Deutsche, die aber schon seit sieben Jahren in Beijing leben), die wir meistens auf Lanzarote treffen und auch schon zweimal in China besuchten, trafen wir auch noch und wanderten gemeinsam durch den Freycinet Park im Osten. Danach zog es uns in den wilden Westen, der durch Dschungel und rauher Natur das komplette Gegenteil vom Osten ist. Mit gepacktem Rucksack, dem neuen unglaublich leichtem Lightweight Zelt von (Hilleberg 1,1 kg und Mega zu empfehlen) ging es zwei Tage durch den Nationalpark. Das Zelt stand nach fünf Minuten und außer Tieren, Natur und uns war hier nichts. Mit Tiergeräuschen einschlafen und aufwachen ist gigantisch, frühes Aufwachen durch Tierstimmen inklusive.

Für mein bevorstehendes trail Rennen (Bogong2Hotham) mit 64 km und jeder Menge Höhenmetern in den Bergen von Melbourne benötige ich gemäß Veranstalter noch das extra feste Schlangenbiss tape. In Deutschland nicht zu kriegen, bekam ich hier in Tasmanien „made in Germany“ ?!? … die Welt ist ein Dorf und nicht immer logisch.

Fazit zu Tasmanien, natürliche Landschaft, wilder Dschungel, saubere Luft und sehr wechselhaftes Wetter – unbedingt eine Reise Wert, vor allem mit dem Zelt und irgendwie für uns am Ende der Welt und auch nur 2.500km entfernt von der Antarktis (nächstes Mal😉).

Washington 10 k run

Karneval mal anders oder eine berufliche Reise mit einem sportlichen Ereignis kombinieren. Da ich beruflich in Washington D.C. war, nutzte ich die Gelegenheit, dass die Amerikaner am 11.11.18 Ihren Veterans day feierten und dem zu Ehren am Lincoln Memorial (circa 1,6 Km vom weißen Haus entfernt) den Veteransday 10 Kilometer Lauf veranstalteten.

Knapp 2.000 Starter standen bei sehr frischen 2 °C um 8 Uhr am Sonntag Morgen wie fest ge-tackert mit Hand zum Herzen am Start, während eine Sängerin die amerikanische Nationalhymne sang. Schönes Ereignis. Ich lief als 2. in der AK (40-49) mit einer nicht so guten hohen 35 Minuten ein und wurde damit Platz 23 gesamt. Ich hatte jedoch auch nichts anderes erwartet, eine Woche nur Sitzungen und die Luft in und um Washington D.C. ist nicht sonderlich gut.

Beim späteren Besuch vor dem weißen Haus ließ sich Herr Trump auch leider nicht blicken…

Lauftip: Wer in Washington D.C. oder Umgebung rennen oder Radfahren will, sollte sich mal den W&OD (Washington & Old Dominion Railroad Trail) ansehen. Eine 72 km lange und 30 Meter breite alte Bahntrasse ohne Schienen, die quer durch dicht besiedelte Städte führt und sich ideal zum radfahren, laufen und Reiten eignet (asphaltierter Pfad mit parallelem Kies-bett). Es ist der ungewöhnlichst geformte Nationalpark in Northern Virginia und Kerzengerade.

Mallorca mit dem Tandem

Wie lässt sich zu zweit Radfahren, so dass jeder seine individuelle Leistung auf das Pedal bringen kann somit keiner aus dem Windschatten fällt und man viel Spaß hat?

Tandem heißt die Lösung!

Ein Rennrad Tandem auf Mallorca zu finden, war unmöglich, also mieteten wir eins von drei Trekking Tandem, die es auf der Insel gab. Mit eigenem Sattel und Pedalen bestückt, empfingen wir das Bike und mussten prompt erstmal selbst die Schaltung einstellen. Die Mechaniker dort waren zwar sehr freundlich, aber hatten keine große Erfahrung.

In Vorausschau auf unsere Tandem Tour im Dezember in Australien war es eine gute Gelegenheit zusammen ein paar richtig schöne Strecken zu fahren, die ich sonst nur auf dem Rennrad fuhr und dabei unser Zusammenspiel auf dem Rad zu verfeinern.

Ein paar Besonderheiten beim Tandem gibt es natürlich.

Begrifflichkeit: Vorne sitzt der Pilot und dahinter der wichtige Stoker, dessen Hauptaufgabe ist es, Kraft auf die Pedale zu geben. Es gibt zwar einen Freilauf, jedoch sind beide Kurbelgarnituren starr miteinander verbunden, also kann sich keiner alleine ausruhen und beide müssen die selbe Trittfrequenz pedalieren. Beim aufsteigen und gemeinsam in die Klickpedalen kommen wird es tricky, bei unserem Gespann hat sich Gisa hinten komplett ein-ge-klickt und ich war vorne mit einem Fuß im Pedal. Beim Kommando hat Gisa los pedaliert und mit dem Schwung konnte ich dann mit dem anderen Fuß ins Pedal rein.

Für etwaige kleinere Notsituationen wie zB am steilen Berg absteigen, weil die Kette abspringt (uns zweimal passiert auf dem Weg zum Cap Formentor), sollte man sich vorher abgesprochenen haben, zu welcher Seite ausklicken und absteigen. Denn wenn das nicht klappt, gibt es aua – wir hatten das im Vorfeld geklärt.

Leider hatten wir mit der Übersetzung bei unserem Trekking Tandem mit dessen maximalen 42/11 im Vergleich zum Rennrad auf Bergabpassagen wenig Möglichkeit noch an Geschwindigkeit zuzulegen und selbst auf der Geraden waren wir zu oft am Anschlag. Die Mechaniker hatten jedoch wenigstens eine andere Kassette. Mit gut 70 Sachen zu zweit auf dem Bike bergab macht das dann trotzdem Laune.

Es lässt sich auf wunderbar unterwegs unterhalten, bei einem fixierten Abstand zum Hintermann.

Ein Vorteil bei Regenfahrten ist übrigens, dass der Vordermann keinen nassen Hintern kriegt, denn die Nässe der Straße fängt der Hintermann komplett ab. Dafür ist dieser nicht dem Wind ausgesetzt, sondern fährt ständig im Windschatten. Die unterwegs Verpflegung durch tragende Feigenbäume war der hit, anhalten, Feigen pflücken und weiter. Mit Andi Dreitz (Platz 13 auf hawaii dieses Jahr) der sich hier auf sein nächstes Rennen vorbereitet, konnten wir zusammen eine längere Laufeinheit machen (im strömenden Regen trainiert es sich leichter zusammen) und einen Tag später das Rennen der Super League Triathlon auf Mallorca live ansehen.

Auch wenn das Wetter nicht immer unser Freund war, konnten wir ein paar gute und mit vier Stunden auch längere Touren machen.

 

Amsterdam Marathon 2018

Köln – Erkältung – Amsterdam

Nachdem wir beim diesjährigen Düsseldorf Marathon den Titel „Deutscher Meister“ der AK 40/45  für unseren LAZ-Puma Rhein-Sieg Verein einfahren konnten, wollte ich dieses Jahr nochmal einen zweiten schnellen laufen.

Zum X-ten Mal hab ich das Training nach Peter Greif auf den Köln Marathon vorbereitet. Wer die Pläne von Peter Greif kennt, weiß um die vielen Umfänge mit 2-3 mal Tempo pro Woche. Mein Körper macht da eigentlich immer alles gut mit und die Resultate im Training waren durchaus gut. Leider kam mir dann doch zwei Wochen vorher eine Bronchitis sehr ungelegen. Also musste ich das Training aussetzen und den Start kurzfristig absagen. Auf der Suche nach Plan B fiel mir dann der zwei Wochen später stattfindende Marathon in Amsterdam ein, der bereits schon mal auf meiner Liste stand. Mit etwas Glück bekam ich noch einen Startplatz und konnte mich noch im schnellen Startfeld „white field < 2:40 Zielzeit“ rein bringen.

Der Start im Olympiastadion in Amsterdam vor einer tobenden Zuschauerkulisse mit 16.000 Startern war wirklich außergewöhnlich. Nach den ersten typischen Platzrangelleien hatte ich nach fünf Kilometern eine vielversprechende Gruppe gefunden, in der ich bis Kilometer 17 mitlaufen konnte. Ab da fingen dann die Probleme an und ich konnte das Tempo aus unerklärlichen Gründen nicht mehr halten. Also war ich auf mich allein gestellt, das Rennen irgendwie zu gestallten. Gefühlt bin ich nur noch ge-joggt und wurde von allen überholt, trotzdem war es natürlich keine Option aus-zusteigen. Die zweite Hälfte des Marathon war wirklich zäh und ich schaffte es nicht mehr, einen schnellen Schritt zu laufen. Ich hatte auch keine muskulären Probleme, „nur“ das Tempo konnte ich nicht mehr hoch halten.

So kam ich dann ins Olympiastadion nach 2:52:18 Stunden ins Ziel, leider 13 Minuten später als geplant und zehn Minuten später als im April, aber dennoch ins Ziel. Trotzdem war die Stimmung großartig und ich hab mich über meine Medaille und die Tatsache, ein schlechtes Rennen zu Ende gebracht zu haben, wirklich gefreut.

Dabei hatte ich mir im Vorfeld einen ordentlichen Muskelkater mit neuer Bestzeit gewünscht, Beides blieb aus, so dass ich nach dem Marathon normal auslaufen konnte. Auch einen Tag später spürte ich keinen Schmerz und bin ganz normal mit dem Fahrrad ins Büro gefahren.

Fazit: Nicht jedes Rennen kann optimal laufen und ein Marathon bleibt ein Marathon, eben nicht kalkulierbar. Das ist Sport, gehört dazu und wertet die guten Rennen deutlich auf.

 

 

Gesamtsieg Drei-Ämter-Lauf Cup 2018

Die Bundeswehr veranstaltet seit vielen Jahren drei Läufe in der Region Bonn, Köln zu denen diverse Dienststellen wie Polizei, Bundesgrenzschutz aber auch Zivilisten eingeladen werden. Die Organisation und Durchführung sind TipTop und die ersten Beiden Läufe in der Luftwaffenkaserne (10 Km) sowie im Bundesverteidigungsministerium (11,5 Km) konnte ich gewinnen, letzteren sogar mit Streckenrekord.

Beim abschließenden Lauf für die Drei-Ämter-Lauf Cupwertung, der in Köln im Amt für Heeresentwicklung stattfand, stieß ich mal wieder auf meinen Vereinskollegen Dirk Breunung mit dem ich auch beim Düsseldorf Marathon im Team war. Wir befinden uns beide momentan in der Köln Marathonvorbereitung und mussten diesen Lauf aus dem vollen Training heraus gestalten. Vom Start an führte ich bis Kilometer 9,8 und war mir meines Abstandes ziemlich sicher, da ich Dirk hinter mir nicht sehen konnte (irgendwann überrundeten wir und es wurde unübersichtlich). Kurz vor dem Ziel war ich völlig überrascht als Dirk plötzlich wie ein D-Zug von hinten ankam. Ich versuchte noch dagegen zu halten aber 100 Meter vor dem Anstieg überholte Er, als gäbe es keinen Morgen. So bleib mir nur Platz zwei – aber immerhin blieb der Sieg im LAZ Puma Rhein-Sieg Verein.

Mit den zwei Siegen und dem zweiten Platz konnte ich mir den Gesamtsieg über die drei Läufe um den Drei-Ämter-Lauf Cup sichern und wie jedes Mal gab es eine sehr feierliche Siegerehrung durch die Bundeswehr.

Übrigens: Wer die Struktur der Bundeswehr etwas kennt, weiß dass dort alles geregelt ist. Laufen wird in der Ausschreibung wie folgt definiert:

„Laufen definiert sich hier als schnelles Fortbewegen, so dass sich kurzzeitig beide Sohlen vom Boden lösen (DSA – Prüfungswegweiser 2018 – Nr. 6.1.2). Gehen ist gestattet“.