Triathlon Geraardsbergen – die Muur hoch

Einmal auf dem legendären Streckenabschnitt des Radrennens der Flandern-Rundfahrt zur Mauer von Geraardsbergen hoch. Die Mauer „Muur“ von Geraardsbergen mit seinen fast 20% Steigung auf Kopfsteinpflaster gilt als wichtigster Streckenabschnitt zum Anstieg auf den Oudeberg. Diesen harten Abschnitt, der seit 1950 Höhepunkt der Flandern-Rundfahrt ist, hat der Veranstalter Challenge-Triathlon für sein neu aufgelegtes Rennen 2017 beim Geraardsbergen Triathlon (1,9 / 90 / 21)km gleich zweimal in den 90 km Radkurs mit eingebaut.

Zusammen mit Marco Mühlnikel sind wir zum Rennen nach Belgien gereist um am Vortag die Strecke mit dem Auto ab zufahren und festzustellen, dass dieser Abschnitt bei Regen kaum befahrbar ist. Steil, schmal und kurvig schlängelt sich die grob gepflasterte Strasse auf einer Länge von 1200 Meter mit max. 20% Steigung hoch. Für ein Zeitfahrrad eine große Herausforderung. Auch sonst war dieser mit weiteren Anstiegen un-rhythmische Rundkurs mit dem für Belgien typisch sehr anspruchsvollen Fahrbahnbelag (oder wie bezeichne ich Panzerplatten und Schotterabschnitte?) eine Belastungsprobe für das Rad und Beine.

Am Vortag regnete es den ganzen Tag und es schien, also ob der Renntag trocken bliebe. Nach der 1900 Meter langen Schwimmstrecke konnte ich den See, mit einer neuen persönlichen Bestzeit und dem nagelneuen Neoprenanzug von Tri11 A1R verlassen. Die erste Begegnung mit der „Muur“ gab es dann nach ca. 45 Kilometern und zwar bei strömenden Regen.

Mit meiner Standardübersetzung von 39/23 auf dem Rad dort hoch zu kommen war schon Herausforderung genug. Aber jedes Mal wenn ich aus dem Sattel gehen wollte, rutsche das Hinterrad mangels Gewicht weg, also im Sitzen da hoch. Dann kurz vor der Kuppe an der letzten Kurve rutschte mein Rad weg und auf dieser steilen Passage war ein Aufsteigen nicht möglich,  die Pflastersteine waren spiegelglatt. Also riss ich mir die Schuhe von den Füssen und rannte mit meinem Rad geschultert die letzten Meter barfuß hoch, rennend konnte ich sogar noch Athleten überholen – meine Füsse haben den Untergrund glücklicherweise nicht wahrgenommen. Oben angekommen aufs Rad gesprungen und versucht, die Bergabpassage auf dem nicht weniger steilem Kopfsteinpflaster diesmal ohne Rutschen runter zu fahren.

Wie sich später herausstellte, musste selbst der späteren Zweitplatzierte vom Rad steigen. Nach weiteren 45 Kilometern also kurz vor der Wechselzone ging es ein zweites Mal die Muur hoch, diesmal ohne wegrutschen und mit etwa 4 km/h im steilsten Stück. Später stellte sich heraus, dass mich der Abstieg leider den Treppchenplatz in der Altersklasse gekostet hat.

Der abschließende Halbmarathon war mit seinen vielen Anstiegen ähnlich un-rythmisch, deshalb bin ich mit der Zeit von 1:27:11 zufrieden. Der Radkurs hatte doch ordentlich Körner gekostet und kontrolliert nach Wattmessung fahren, war nicht möglich – Gefühl war angesagt.

Mit der Gesamtzeit von 4:39:32 und Platz 4 der Altersklasse sowie 39. Gesamtplatzierung konnte ich dennoch einige Profis hinter mir lassen. Bei dem sehr internationalen Startfeld war ich fünfter Deutscher. Zusammen mit Marco Mühlnikel verpassten wir leider beide das Podium um einen Platz – geteiltes Leid also.

Dieser Mitteldistanz Triathlon ist wirklich ein gelungener Kontrast zu den herkömmlichen Rennen, bei der mit Sicherheit keiner vom Rad rutscht oder absteigen muss. Und die Muur in Geraardsbergen hat noch eine weitere Berühmtheit hervorgebracht – den Mattantaart. Ein flämisches Gebäck mit Ursprung in Geraardsbergen. Schmeckt am besten nach zwei Aufstiegen zur Muur hoch – natürlich mit dem Rad!

Nun stehen in den nächsten Wochen noch zwei Liga Triathlon Rennen an, bevor es dann im August in die Pause geht.

 

Vielen Dank für die tollen Fotos an:

Swim Bike Run by Katrien Decru @triathlonfotografie

 

 

 

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