Rheinhöhenlauf Halbmarathon – bergiger Früheinstieg nach dem Transalpine-Run

Auch der Halbmarathon „Rheinhöhenlauf“ stand schon seit längerem auf meinem Plan. Es gibt einfach zu viele schöne Wettkämpfe, sei es Triathlon, Duathlon oder natürlich Laufveranstaltungen. Nun exakt zwei Wochen nach unserem 270km Transalpine-Run bot sich nach dem gewaltigen Projekt dieser Lauf als Einstieg und Standortbestimmung an. Mein ursprünglicher Plan, beim Löwenburglauf letzte Woche anzugreifen, zerplatze leider infolge einer Erkältung, die mich ein paar Tage nach der Alpenüberquerung erwischt hat (Zink+Selen sei Dank, meine Erste dieses Jahr). Das hat mich zum Glück nicht von der Arbeit, jedoch vom Training und Wettkampf abgehalten. Die Regenerationsphase nach einem harten Wettkampf ist halt immer eine Gratwanderung, dann ist die Gefahr der „freien Radikalen“ und demzufolge ein Infekt sehr hoch.

Nun denn, da standen wir nun heute wieder an der Startlinie, zusammen mit den üblichen Verdächtigen und zwei Kenianern, die aufgrund der 1000,-€ Streckenrekord Prämie jedes Jahr angelockt werden. Für uns Läufer aus der Region war allerdings auch eine nicht kleine Summe von 250,-€ ausgeschrieben.

Nach den Belastungen der vergangenen Wochen hatte ich kein Gefühl, wie ich meine Leistung einzuschätzen hatte und lief nach dem Startschuss zusammen mit Torsten Schneider los – die Kenianer (eine komplett andere Liga beim Laufen, zum Glück können sie weder schwimmen noch radeln) waren schon nach 300m außer Sichtweite, während Torsten und ich den ersten Kilometer im 3:06er min/km liefen; wem dieser Wert nichts sagt, dass entspricht viel zu schnellen 19,3 km/h. Torsten wich nicht von meiner Seite. Frei nach dem TOTE-Prinzip (Test-Operate-Test-Exit), ein Verhaltensmodell aus der Psychologie, „nach diesem Modell der konditionierten Reaktion, löst ein bestimmter Reiz ein bestimmtes Verhalten aus“. Dies ist wohl die Erklärung, warum wir uns die ersten Kilometer nicht von der Seite wichen, bis ich Ihn dann allerdings irgendwann ziehen lassen musste.

Diese Anfangsbeschleunigung war natürlich nicht schlau, um Bestzeiten zu laufen, aber manchmal muss man auch einfach mal losrennen, ohne Masterplan und abwarten, was passiert.

Nach dem Transalpine-Run hat sich meine Sicht bzgl. Bergläufen etwas verändert, vorher gehörten 1000 Höhenmeter auf einer Strecke von 27km zu einem krassen Berglauf. Jedoch nach den 31.000 Höhenmetern über die Alpen habe ich Definitionsschwierigkeiten, einen Halbmarathon mit 360Hm als Berglauf zu titulieren. Was jedoch die Tatsache nicht aushebelt, dass jeder Meter auf einer Laufstrecke Körner kostet und bremst,

Ich stellte jedenfalls nach viel zu frühen fünf Kilometer (von 21,1km) fest, dass mein Körper die vielen Kilometer noch nicht verarbeitet hatte und versuchte, möglichst ein konstantes Tempo zu finden und mich nicht von hinten „abfrühstücken“ zu lassen. Bei Kilometer 14 traf ich auf den kenianischen Pacemaker, der anscheinend für seinen Landsmann das Anfangstempo machte und dann ausgestiegen war. Finanziell hat es sich jedenfalls für Beide gelohnt, auf dieser hügelligen Strecke, die ausschließlich aus Waldboden besteht, hat der Kenianer mit 63 Minuten einen neuen Streckenrekord aufgestellt – ohne Worte und Respekt für eine Zeit, die momentan kein Deutscher laufen kann!

Zwischendurch hatte ich das Gefühl, immer langsamer zu werden und wunderte mich, dass von hinten keiner kam, was sich dann allerdings schnell änderte und so wurde ich noch ein paar Kilometer vor dem Ziel von vier Mitstreitern überholt und brachte mich dann mit einer, für meinen Zustand, passablen 1:23:06 Stunden und Gesamtplatz 8, (trotzdem noch Treppchenplatz in der Altersklasse), ins Ziel. Das war ein hartes Stück Arbeit und ich bin gespannt, wann ich wieder vollkommen regeneriert bin.

Die nächsten Wochen werden es zeigen – bis zum Drachenlauf (Hügellauf mit 1000Hm) und dem neu aufgelegten Platinman (Hügellauf mit bis zu 52% Steigung) sind es noch ein paar Wochen. Danach heißt es dann Richtung Saisonpause schielen, um neue Energie und Kraft zu tanken – in meiner zweiten Wahlheimat, Lanzarote.