Südostasien mit spontanem Abstecher

Der Veranstalter vom Singapur Duathlon hatte letzten Sonntag aufgrund des Unwetters die Siegerehrung ausfallen lassen. Sehr schade. Meinen 2. Gesamtplatz hätte ich gerne mit Siegerehrung abgeschlossen, passiert ja nicht so oft. Umso schöner, dass der Veranstalter extra zu uns an die Fährstation nach Singapur kam, um mir den Preis zu überreichen – Siegerehrung an der Fähre – warum nicht.

Den größten Teil der bisherigen Reise verbrachten wir in Malaysia. Die Menschen waren durchweg freundlich und hilfsbereit und die Natur bietet viel grün und eine Menge bunter Vögel und Insekten. Das Klima ist eher mit einer Waschküche zu vergleichen, über 95 Prozent Luftfeuchtigkeit und Temperaturen immer über 30 Grad.

Deshalb darf man sich in Malaysia auch nicht wundern, dass die Autos keine Heizung haben, das wird für den malayischen Markt nicht angeboten. Man kann lediglich die Klimaanlage abstellen.

Mietwagen gebucht, pünktlich angekommen, keiner da! Da harmonierte die Abholzeit halt nicht mit den Öffnungszeiten der Mietwagenstation. Das nimmt man nicht so genau und so müssen wir für unsere Transfers, Mietwagen und Co immer viel mehr Zeit kalkulieren. Aber das Klima rechtfertigt auch eine gemäßigte Arbeitsweise.

Zwar hatten wir bisher in Thailand und Malaysia jeweils immer mal wieder einen Mietwagen, aber manchesmal auch nicht. Die günstige Taxi Alternative nennt sich „Uber-Taxi“. Ähnlich einer Mitfahrgesellschaft, bei der man allerdings per App seinen Standort eingibt und dann ein Uber registrierter Fahrer den Auftrag annehmen kann. Jeder kann sich anmelden, als Fahrer und als Nutzer. Wir haben die Nutzer App und es funktioniert wirklich sehr gut und schnell findet sich irgendwer in der Nähe – auch wenn wir mit dem Radkoffer immer ein XL Uber Taxi brauchten.

Positiv für den Nutzer, der nicht mal mehr Bar bezahlen muss, denn die zuvor verbindliche Fahrt wird automatisch vin der Kreditkarte abgebucht. Der Car Sharing Gedanke deckt sich auch immer mehr mit der Generation von heute. Warum ein eigenes Auto, dass die meiste Zeit steht und wen es im Stau ist. Da fällt mir mein Auto ein, dass nur wenige Tausend Kilometer pro Jahr bewegt wird, trotzdem Vollkasko versichert ist und bei Abwesenheit extra mit einem passenden dreilagigen Baumwollüberzug bedeckt wird. Trotzdem würde ich mich nicht davon trennen. Im Alltag bewege ich lieber das Fahrad und nutze Alternativen. Schnell fahren lässt sich allenfalls noch nachts um drei auf der Autobahn. Daher verstehe ich die Generation Y, die sich solche Klötze nicht mehr ans Bein binden und flexibel sein wollen. Nach einigen Gesprächen mit den Fahrern denken wir darüber nach, dass die lokalen Taxifahrer durch Plattformen wie Uber viel weniger Aufträge haben. Weiterhin liegt anscheinend das Risiko bei Unfall etc. immer beim Fahrer. Uber stellt hier lediglich die Plattform und bekommt ein Viertel des Fahrpreises. Trotz der guten Erfahrungen stehen wir nicht wirklich hinter dem Uber Konzept. Verlassen kann man sich auch nicht auf Pünktlichkeit oder Laderaum, bei uns hat es dennoch meistens funktioniert.

Ähnlich verhält es sich mit der Unterkunftsbörse Airbnb, bei der sowohl Wohnungen, Appartements als auch homestays angeboten werden. Die Erfahrungen sind gemischt, es ist nicht unbedingt günstiger und die Unterkunft kann die Buchung jederzeit willkürlich stornieren, was uns leider auch passiert ist. Tolle Erfahrungen gab es aber auch mit privaten Unterkünften. In Penang (Malaysia) hatten wir ein ganzes Haus und die Eigentümerin hat uns sehr herzlich betreut. Die Einheimische Irene lebt sogar parallel im deutschen Wetzlar!

Für mich ist die Platform Booking.com immer noch meine häufigst genutzte. Durch die vielen Buchungen über die Jahre habe ich dort einen Status bekommen und erhalte bei vielen Hotels sehr gute Konditionen. Es ist schnell und unkompliziert und verlässlich! Selbst 2015 in der Atacama Wüste in einem Supermarkt habe ich spontan gesucht und gebucht.

Malaien haben wir als überaus freundlich kennengelernt, da wird an der Streetfood Bude auch mal auf Nachfrage die Konkurrenz ein paar Meter weiter empfohlen- bei uns eher nicht vorstellbar. Und wenn ich bei meinen Radausfahrten irgendwo nicht weiter wusste, irgendein Mopped oder Autofahrer kam immer und wollte helfen.

Kurios empfanden wir im malayischen Kampar, als wir als einzige Gäste im Kaffee draußen saßen und uns die freundlichen Angestellten sofort eine Klimaanlage raus brachten! Unser Fehler, wer sitzt denn auch bei dem Klima freiwillig draußen ohne Aircondition?!

Wer in Kuala Lumpur am Flughafen ist und sehr günstig in Asien produzierte Ware kaufen möchte: es gibt eine grosse Shoppingmall „Mitsui Outlet Park“ mit kostenlosem Shuttle Bus vom Flughafen in wenigen Minuten zu erreichen. Sportschuhe von allen bekannten Anbietern für ein Bruchteil des Preises und was man sonst so alles kaufen kann.

Da Singapur grandios und superlativ aber auf Dauer zu teuer war und wir keine Lust hatten, wie ursprünglich geplant, zurück nach Malaysia zu reisen, kamen die Tipps von Vera und Jan, die in Singapur leben, genau richtig. So setzten wir also mit dem Highspeed Boat von Singapur in einer Stunde auf die Indonesische Insel Bintan über. Im Nordwesten der Insel fanden wir ein sehr schönes Resort mit Traumstrand und 32 Grad Wassertemperatur, zum planschen gut, zum schwimmen wirklich anstrengend. Erwähnenswert ist, dass ich für meinen Radkoffer erstmalig nicht zusätzlich bezahlen musste, hierfür Daumen hoch!

Verlässt man allerdings das Resort, wird man leider wieder an das kaum vorhandene Umweltbewusstsein der Menschen dort durch Plastikmüll am Traumstrand erinnert.

Die Preise für Food and drinks sind allerdings innerhalb des Nirwana Ressorts in etwa 10-15 Mal höher als außerhalb oder auf Bali. Das Resort zu verlassen ist jedoch kaum möglich, aufgrund der Größe und etwa eine Stunde Fährt zur nächst größeren Stadt. Für ein NasiGoreng werden anstatt 20.000 IDR mind. 180.000 IDR fällig. Letztendlich zählt die Unterstrichrechnung und die war mit der Unterkunft ok.

Allerdings scheint es in den asiatischen Ländern, dass Eigeninitiative nicht sonderlich gefordert wird. Jede noch so kleine Abweichung in der Routine vieler Menschen die wir getroffen haben, scheint zum Stillstand zu führen und es bewegt sich nichts mehr. Sowohl beim Personal im Hotel, im Restaurant, in Geschäften und sogar in Management Positionen konnten wir dieses ausgeprägte Verhalten erleben. Das hat demzufolge auch Auswirkungen auf die Flexibilität- die wir als oftmals nicht vorhanden empfunden haben. Malaysia bildete da die positive Ausnahme.

Aber auch das totale Gegenteil habe ich während der Reparatur meiner Carbonfelge auf Bintan erlebt. Ich brauchte einen besonders flachen 17er Maulschlüssel, um mal wieder das Lagerspiel einzustellen (ich hatte schon viele Ersatzteile und Werkzeug dabei, war aber irgendwann im Gewicht beschränkt). Als ich einer Bootswerkstatt am Strand den Vorschlag machte, kurzerhand einen vorhandenen Maulschlüssel mit der Flex zu bearbeiten, hat Harry (ein Einheimischer) sofort zugestimmt! Ebenfalls brauchte ich einen scharfen Seitenschneider, um Bremszüge zu wechseln. So etwas lässt sich eigentlich an jeder Ecke finden, nicht so auf Pulau Bintan. Bei einer langen Ausfahrt entdeckte ich dann eine Mopped Werkstatt und gemeinsam mit vier weiteren Leuten wurde fachmännisch beäugt, was ich mit dem Seitenschneider tat.

Unser Fazit zu den Ländern Malaysia, Thailand und Indonesien: Die asiatische Küche ist frisch und lecker und Streetfood unterscheidet sich in der Qualität nicht vom Essen in Restaurants, lediglich das Ambiente ist einfacher, authentisch und günstiger. Der Urwald wächst und lässt sich kaum bremsen, sicherlich auch durch das feuchte Klima begünstigt. Die Menschen sind sehr freundlich und hilfsbereit, leider bei weitem nicht so eigeninitiativ und flexibel, wie in unserer Kultur. Ein Smartphone hat Jeder und die gebeugte Smartphone-Kopfhaltung gibt es in Asien ebenso wie bei uns.

Während bei uns altbewährtes immer mehr durch modernes ersetzt wird, erlebten wir in diesen Ländern, dass oftmals die moderne Technik das vorhandene ergänzt und nicht ersetzt. In Asien kann man also auch mal den Ochsenkarren beim Transport von iPhones zusehen nicht selten auf der Autobahn neben einem aktuellen BMW. Bei uns undenkbar. Überhaupt spielt die Kultur der Menschen hier eine sehr wichtige Rolle, die täglich viel Zeit einnimmt. Das Verständnis für Umweltschutz ist jedoch leider noch nicht so ausgeprägt, wie bei uns. Immer noch verbrennen Familien in Dörfern abendlich Ihren Plastikmüll ohne sich deren gesundheitlichen Folgen bewusst zu sein. Und als Radfahrer von Bussen überholt zu werden füllt die Lunge mit sehr viel Russ.

Für mich ist mittlerweile eine erste Frage, in einem fremden Land oder auf einer Insel, was passiert mit dem Müll (gibt es Verbrennungsanlagen), wo fließt das Abwasser hin und kann man Leitungswasser trinken. Letzteres war tatsächlich in Malaysia, Singapur und Indonesien möglich, zur Sicherheit haben wir es dennoch abgekocht.

Von Starkregen und der beginnenden Monsunzeit habe ich jetzt mittlerweile auch die Socken nass. Kaum eine Radeinheit ohne Gewitter und Rückfahrt auf überfluteten Strassen, weil das Thema Kanalisation und Wasserablauf nicht wirklich gelöst ist.

Mit dem Weiterflug nach Australien wird es nun erneut spannend und schon die erste Begegnung mit diesem Land stellt einen riesen Kontrast dar. Dieser Kontinent ist gänzlich neu für uns und etwa 16.592 Kilometer von Bonn entfernt.

Am Sonntag ist dann schon Start beim Ironman 70.3 Asia-Pacific Championship in Sydney. Die Temperaturen sind mit 32 Grad ähnlich zu den letzten Wochen, jedoch durch die nierdriger Luftfeuchtigkeit fühle ich mich deutlich besser.

Dank Airbnb wohnen wir privat bei einer Dame und können das ganze Haus mit nutzen, eine willkommene Abwechslung zum Hotel und der Austausch hat etwas von früheren Sprachreisen.

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