Frankfurt Marathon – der dritte dieses Jahr

Vier Wochen nach Köln Marathon befanden sich mein Vereinskollege Sebastian und ich auf der Fahrt nach Frankfurt zum Marathon – Beide hatten wir unsere Ziele im Gepäck. Eingecheckt 100m vom Start-/Zielbereich im Maritim Hotel hatten wir alles dabei, sogar einen Toaster, für das stressfreie Frühstück am Wettkampftag. Die Beine waren natürlich wie immer müde – aber das hatte noch nie eine schlechte Bedeutung.

Am Raceday stand ich also pünktlich um 10h am Start, d.h. vor dem Drängelgitter – denn es war alles so voll, dass ein hineinkommen in den Startblock nicht möglich war – so wartete ich, bis der Startschuss fiel und kletterte danach in den Startbereich, um mein Rennen zu beginnen. Da stand ich schon im vorderen Block und trotzdem war ein Durchkommen nur schwer möglich, Adrenalin beherrschte eindeutig auf den ersten Kilometern das gesamte Läuferfeld. Es war nicht wirklich schlimm, denn so kam ich erst gar nicht in die Situation, die ersten Meter zu schnell anzugehen. Nach 3 km war dann freie Strecke und meine Taktik war nach Greif, die ersten 15km etwas langsamer anzugehen, um dann die Handbremse zu lösen und das Tempo zu forcieren.

Im besten Fall die zweite Marathonhälfte schneller laufen – der Plan hatte insgesamt schon zweimal in den letzten Jahren funktioniert, aber auch oftmals nicht. Es lief auch sehr gut und wir fanden uns dann irgendwann ab km 10 in einer Gruppe wieder. So der Plan, wollte ich mich dann bei km 15 von der Gruppe absetzen – aber es klappte nicht! Bei jedem Antritt merkte ich, dass das keine gute Idee war – und so beschloss ich erstmal weiterhin der Gruppe anzugehören. Bei km 31 wartete Dirk mit dem Rad und begleitete mich ein Stück mit wahnsinns motivierendem Aufmuntern! Das tat richtig gut – auch weil ich zuvor schon einige SSF’ler am Streckenrand gesehen habe.

Die letzten Kilometer waren dann teilweise hart und ich verrechnete mich ständig, weil ich zu Beginn des Rennens 1:40 min zu spät gestoppt hatte. Die zunehmende Sauerstoffarmut begünstigt dann Rechenfehler und Abschätzungen.

So lief ich letztendlich mit einer Zeit von 2:46:12 in die Frankfurter Festhalle ein und war natürlich nicht glücklich über diese Zeit, jedoch auch nicht so unzufrieden mit dem gesamten Rennen. Vielleicht steckte die Belastung vom Köln Marathon 4 Wochen zuvor doch noch zu sehr im Körper – ich konnte an diesem Tag einfach nicht mehr Leistung abrufen.

Trotzdem war es Gesamtplatz 277 von 15.000 Läufern und das klingt ja nicht schlecht. Nächstes Jahr werde ich mich nach dem Ironman Frankfurt noch mal sehr intensiv auf einen Straßenmarathon vorbereiten und mein Training überarbeiten. Denn ich glaube trotzdem an meine Zielzeit und werde vorher nicht aufgeben!

Nun habe ich schon viele Marathon und Ironman Rennen absolviert, aber diesmal fiel mir sehr stark auf, wie schwierig es doch ist, sich mitten im Rennen selbst zu motivieren – gerade, wenn es weh tut und schwer läuft. Mich noch mehr zu quälen, wenn ich mich auf Bestzeit befinde, ist leicht. Wie einfach sage ich mir im Vorfeld (und glaube auch daran), dass ich alles geben werde, hart kämpfe, auch wenn es sehr weh tut – denn ich habe hart dafür gearbeitet. Und dann bin ich bei km 25 in genau dieser Situation, es tut alles weh, ich sehe, wie die Sekunden verrinnen und wie schwer fällt es mir dann, mich aus diesem Tief zu befreien und trotzdem meine Kräfte zu mobilisieren – auch wenn es vielleicht nicht die neue Bestzeit wird.

Wie einfach ist es doch, in dieser Situation einen Gang raus zu nehmen – sich selbst zu beruhigen – es ist nicht Dein Tag, mach locker zu Ende. Aber so kann man sein Ziel nicht erreichen – Marathon tut einfach weh und zwar Jedem, der den Lauf in bestmöglicher Zeit absolvieren will. Spitzenläufer leiden genauso!

Die mentale Vorbereitung ist vielleicht noch ein wichtiger Punkt, an dem ich ansetzen werde –in schwierigen Situationen noch mehr zu kämpfen, den Kopf ausschalten und tun, was ich vorher geplant habe, ohne zwischendurch auf Plan B umzuschalten.

Aber, jetzt heißt es erstmal, den Focus auf den K42 Argentinien Marathon zu richten – der schon in 12 Tagen stattfindet. Mit 3.100 Höhenmetern und etlichen zu überquerenden Flüssen und Bächen wird das sicherlich ein absolutes Erlebnis – und erst Recht die anschließende Reise durch Patagonien.