Bolivien – zwei Seiten eines Landes

Die Fahrt mit dem Bus von Putre nach La Paz in Bolivien ist geprägt durch das wahre Leben hier, so nehmen wir an. Auf der sieben stunden Busfahrt sehen wir unglaubliche Natur auf der Altiplano, der Hochebene der Anden und bewegen uns immer zwischen 3.600 und 4.600 Meter Höhe. Wir sehen typisch gekleidete Menschen aus Chile, Peru, Bolivien die ganz anscheinend sehr viel weniger zum Leben haben und brauchen.
Bei den zwei Grenzüberschreitungen begegnen wir Grenzposten, wie im Film, Schreibtisch im leeren Raum, darüber der Deckenventitalor darunter der Grenzmann mit schwarzer Sonnenbrille in einem dunklen Raum. Immer wieder private Essensanbieter, die aus Ihrem Auto heraus Selbstgekochtes und natürlich Coca Tee verkaufen. Auch die Dörfer auf der Strecke, von denen alle nicht richtig fertiggestellt sind, staubige Sandstrassen, Kinder mit Müttern auf der Straße, Werbeschilder, die sicherlich älter als dreißig Jahre sind ,sehen wir. Es gibt hier unglaublich viel Müll und das in einer malerischen Gegend. Den Menschen hier und überhaupt auf unserer bisherigen Reise, fehlt entweder jegliches Verständnis für die Umwelt oder aber Sie haben deutlich größere Probleme, als sich auch noch damit auseinander zu setzen. Wir wissen es nicht.

Dass die Schere zwischen unserem Wohlstand und dessen Armut bzw. sehr einfachen Lebensweise so gross ist, darüber unterhalten wir uns. Ohne politisch zu werden, kommen wir zu der Meinung, dass eine zivilisierte und hochmoderne Wirtschaft wie unsere ohne Armut auf der anderen Seite vielleicht gar nicht bestehen kann. Muss es arme Länder und damit Menschen geben, die bereit sind, für sehr viel weniger Lohn, Arbeiten zu übernehmen, die im eigenen Land zu hochpreisig sind? Darüber hinaus Rohstoffe für Dumpingpreise abzugeben, ‎die wir benötigen? Wer weiss, wie es funktioniert?

Etwa eine Stunde vor Ankunft kommen wir durch eine Straßenblockade zum Stillstand. Streikende Lehrer blockieren die Zufahrtsstrassen nach La Paz, Dauer unbekannt, kann Tage dauern, passiert hier öfter. Mitten im staubigen Nirgendwo müssen wir den Bus verlassen, keine andere Chance. Glücklicherweise bieten private Autos und Kleintransporter (die bei uns lange nicht mehr fahren dürften) Ihre Dienste an. Die Ungewissheit, wie lange wir hier wohl festsitzen würden, bringt uns dazu, uns darauf einzulassen. Der Kleintransporter in dem wir nun sitzen, fährt wie der Henker über staubige Wege mit Bachdurchquerung (Straßen sind es jedenfalls keine)‎ in die Stadt. Irgendwann erreichen wir unser Hotel für eine Nacht, denn am nächsten Tag geht es erst weiter.  ‎Essen in Restaurants fällt hier flach, es wird auf der Straße gegessen, bei fliegenden Straßenhändlern, die warmes Essen verkaufen. Dafür kostet es umgerechnet nur ein paar Euro.‎ Die Unterkunft ist eine Herausforderung, dreckig, alles kaputt und die Dusche verfügt über einen elektrischen Duschkopf (für die Heißwasseraufbereitung), dessen Kabel liegen offen und Gisa bekommt während des Duschens einen leichten Stromschlag. Wir beschließen anstatt der Bettdecken unsere Schlafsäcke zu nutzen und möglichst nichts anzufassen. In der Nacht gegen vier Uhr geht’s weiter, mit einem Bus ohne Heizung und ebenfalls eigentlich nicht mehr fahrbereit, wieder über Umwege an brennenden Autos und der Strassenblockade vorbei in fünf Stunden zum Ziel, Copacabana am Titicacasee auf 3.800 Meter.

Endlich angekommen erstmal laufen und schlafen. Der See wirkt wie ein Meer und ist gigantisch, weniger schön ist der Müll überall. Traumhafte Natur und Menschen, die diese Natur nur einseitig verstehen und behandeln. Vier Tage verbrachten wir am Titicacasee, bevor es weiter nach Puno in Peru geht – hier wartet der ferrocarril (Zug) „Anden Explorer“, der uns in zehn Stunden Fahrt ins Inkareich nach Cusco bringen wird, wir steigern nochmal die Höhe.

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