Den Wiedweg mit dem MTB – 10 Stunden Schwerstarbeit

momentan ist wohl die beste Zeit, um außergewöhnliche sportliche Projekte zu machen. Ob es 300 Km oder 400 Km mit dem Rennrad an einem Tag sind oder Everesting mit dem Rennrad. Wettkampf-freie Zeiten lassen sich prima mit verrückten Einheiten überbrücken.

Diese Tour-Idee stammte mal wieder von Daniel, dem Gefährten, der eigentlich nur verrückte sportliche Ideen hat. Der Plan war, den Fluss Wied von der Mündung (Neuwied) bis zu seiner Quelle (Linden) mit dem Mountainbike zu fahren, allerdings!!! auf seinem Wanderpfad!

Seine Idee toppten wir noch mit meiner, nämlich das Zelt samt Ausrüstung mitzunehmen. Ursprünglich war der Plan, am nächsten Tag die selbe Strecke andersherum zurück zu fahren – aber dazu später mehr.

Einen Tag vorher musste ich noch schnell das Tretlager von meinem MTB erneuern und hatte beim vierten Fahrradhändler auch ein Ersatzteil bekommen.

Gepackt mit MTB und Rucksack (5,5 kg inkl. Zelt, Schlafsack, Isomatte und Klamotten) ging es von Neuwied los mit den Rädern los. Wie gedacht, war der Wiedweg eben ein Wanderweg und wir hatten und bereits auf schieben, tragen und knapp 3.000 Hm pro Strecke eingestellt. Die einfache Strecke schlängelt sich insgesamt über eine Distanz von 106 Kilometer entlang Wied, wobei die Luftlinie nur 34 Kilometer beträgt.

Die Strecke war härter als ich mir in meinen kühnsten Träumen vorgestellt hatte, in den ersten drei Stunden schafften wir gerade einmal 32 Kilometer mit 800 Höhenmetern. Pfade, die kaum als solche zu erkennen waren, durchzogen mit Singletrails, steilen Rampen, Dornen, Brenneseln und die gesamte Palette an Unwägbarkeiten.

Bei der Hälfte etwa nach fünf Stunden brachen die ersten Stücke aus meinem Radschuh raus, dazu scheuerte der Rucksack sich in meinen Rücken und nicht selten haben wir die kleinen weiß/grünen „W“ Wiedweg Schilder nicht erkennen können und uns somit verfahren.  Belohnt wurden wir zwischendurch mit dem schönen Westerwald und seinen traumhaft schönen Ausblicken.

Sportlich waren wir ziemlich oft am Limit, immer wieder ging es mit Puls Anschlag  irgendeine steile Rampe hoch, bevor es unmittelbar danach direkt wieder auf einem Trail bergab ging. Bei der Hälfte der Strecke waren wir uns immer noch nicht sicher, es überhaupt bis zur Quelle zu schaffen, denn bis dahin war kaum flüssiges fahren möglich, immer wieder tragen, schieben, ziehen irgendwie über Bäume heben…

Es fühlte sich streckenweise so an, als wären wir im Alpenvorland – Natur pur bei permanenter Laktatproduktion in den Beinen. Im Vorfeld hatten wir im Internet dazu wenig bis gar keine Erfahrungen von Bikern auf dieser Strecke gefunden und das machte den Reiz darauf natürlich umso größer.

Die letzten Stunden waren geprägt durch ständige Wiesenquerungen mit Querrillen, meter hohem Gras und ziemlich vielen Zecken, die Jeder von uns Beiden irgendwo mitgenommen hatte. Die Wied wurde auf Ihrem Weg zur Quelle immer schmaler und flacher, so dass wir irgendwann einen halben Meter breiten Rinnsal überquerten um dann endlich nach knapp 10 Stunden die eigentliche Quelle zu erreichen.  YEAH !

Dort tröpfelte es aus dem Boden und die Vorstellung, dass daraus nach 106 Kilometern ein richtiger Fluss in den Rhein fließt war kurios.

Irgendwo was essen, ein Bier später konnten wir endlich das Zelt am Ufer des Dreifelder Weihers aufstellten, auf die Minute, bevor es die ganze Nacht zu regnen begann. Zwischenzeitlich hatten sich beide Sohlen meiner Radschuhe komplett gelöst und nur noch die Cleats der Klickpedalen hielten den Schuh zusammen. Eines war klar, das harte Ding wollten wir am nächsten Tag nicht mehr zurück fahren, ich bin auch nicht sicher, ob wir das überhaupt geschafft hätten.

Eine Regennacht und zehn Kilometer zur nächsten Bäckerei weiter beschlossen wir dann, querfeldein in knapp fünf Stunden durch verschiedene Wälder zurück zu fahren. Das waren dann gesamt 15 Stunden, 210 Km, 3.700 Hm mit dem MTB und Zelt – nachmachen unbedingt empfohlen!

Wer den Wiedweg (nicht den Wiedradweg) nachfahren möchte, dem schicke ich gerne die  Strecke als gpx Datei zu, einfach kurz hier über die Seite anschreiben!

 

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