Ironman Süd Afrika – der Weg zur Hawaii Qualifikation

Sonntag, 06.04.2014 – Wettkampfmorgen, der Wecker klingelte wie üblich an diesen Tagen, um 3:30 Uhr und ich hatte wirklich keine Lust, um diese Uhrzeit zu frühstücken, aber „ohne Mampf kein Kampf“.
Ab 5 Uhr war dann in der Wechselzone ein lebhaftes Getummel. 2.400 Athleten bereiteten Ihre Wettkampfräder vor, die Tags zuvor bereits eingecheckt waren (strenge Kontrolle der Räder und Helme inklusive).

Kleine Exkursion für Nicht Triathleten. Diese drei Disziplinen werden ohne Pause hintereinander absolviert (die Zeit zwischen den einzelnen Disziplinen wird Wechselzeit genannt). Nach dem schwimmpart im Meer heißt es, den Strand hoch sprinten, um schon während des Laufens den Neoprenanzug bis maximal zur Hüfte herunter zu ziehen (weiter ist Laut Reglement nicht erlaubt), dann rennt man zu seinem Radbeutel (durch die Start-Nr. gekennzeichnet) und zieht den Neo aus, Helm und Brille an und rennt zu seinem Rad, wo die Radschuhe bereits in den Pedalen ein-geklickt sind, rennt bis zur gekennzeichneten Linie und hier erst darf man aufs Rad und ab geht’s auf die 180 km lange Radstrecke. Nach dem Radpart läuft es ähnlich, ab der Wechselzone vom Rad runter, selbiges den Helfern in die Hand drücken, Laufbeutel holen, Helm runter reißen, Laufschuhe an und wieder durch die Wechselzone durch (die auch mal ne Wegstrecke von mehreren Hundert Metern haben kann) und ab auf die Marathonstrecke. So manches Rennen wurde in der Wechselzone entschieden, denn auch hier zählt jede Sekunde. Was bei 9 oder 10 Stunden (bis zu 17 Stunden) grotesk erscheint, diese paar Sekunden entscheiden oftmals über Platzierung, Sieg oder Niederlage.
Also ist die Wechseldisziplin bei weitem nicht zu vernachlässigen und gehört mit zum Training. Exkursion Ende!

Alle Vorbereitungen waren abgeschlossen und den Neo hatte ich bereits an, stand Startbereit am Strand im Startblock. Geniale Stimmung bereiteten uns die afrikanischen Tänzer mit Stammestänze vor uns, bevor eine Kanone, wie man sie aus Piratenfilmen kennt, abgefeuert wurde und wir das Wasser stürmten, auf zur ersten Boje.
Der eigentliche 3,8km Schwimmpart war hier als 3,9km ausgewiesen (auch das ist Langdistanz, überall anders, meist erwas länger, aber nirgends ein Spaziergang!).

Meine schwächste Disziplin lag mir an diesem Tag besonders gut und bis auf ein paar einkassierte Schläge habe ich mich aus den kleinen Platzkämpfen heraushalten können und bin mit 1:06 netto aus dem Wasser gekommen. Da beim Triathlon erfahrungsgemäß nach dem Schwimmen meine Aufholjagt beginnt, Fing nun also der gute Teil an.
Jedoch merkte ich bereits nach kurzer Zeit und Blick auf den Tacho, dass entweder ich einen schlechten Tag hatte, oder die Bedingungen wirklich hart waren. Letzteres bestätigte sich später. Denn die erste Radrunde mit 90 km fuhr ich streng und kontrolliert nach Watt (Leistungsmesser) und der Gegenwind wechselte sich mit den giftigen Steigungen ab, so dass ich nach 90km schon 30 Minuten hinter der erwarteten Radzeit lag.
Ein Problem tauchte auf, mein Kopf schaltete sich trotz Blutverlagerung in die Muskeln immer mehr ein und mich plagte die Frage, ob ich zu schlecht vorbereitet sei und ob es sich noch lohnen würde, mich weiterhin zu quälen. Zugegeben beschäftigte mich diese Frage einige Zeit, jedoch überholte ich immer wieder Athleten und so redete ich auf mich ein, dass die Bedingungen schlecht waren und alle die gleichen Probleme haben und ich so lange kämpfen werde, bis ich hinter der Ziellinie stehe. Selbstmotivation lässt sich gut zu Hause üben, wenn man bei Regen und Kälte stundenlang alleine laufen darf :-).
Um mich nun nicht weiter ablenken zu lassen, schaltete ich ab 90 Km sämtliche Geräte ab und fuhr nur noch nach Gefühl.

Nach 5:57 Stunden (somit einer Stunde länger, als normal und geplant) wechselte ich auf die Marathonstrecke und sah, dass tatsächlich noch nicht viele dort angekommen waren.

Als Läufer folgte nun meine Ur-Disziplin und ich musste mich die ersten Kilometer stark bremsen, um nicht zu schnell los zu rennen, was ich sicherlich sonst später bereut hätte. Nach meinem letzten schnellen IM, bei dem ich eine 3:09 Std. gelaufen bin, war das Ziel klar und bis Kilometer 18 sah auch alles danach aus, jedoch spürte ich die zusätzliche Stunde auf dem Rad stark in den Beinen, eigentlich überall am Körper. Also Plan B, wenigstens unter 3:30 Std. zu laufen, was mir dann auch gelang. Kurz vor dem Ziel kam von hinten ein Athlet an und fragte mich doch frech, in welcher Altersklasse ich bin (wollte Er noch seine Chancen checken, um daraufhin sein Tempo anzupassen?), ich antwortete natürlich nicht und erhöhte das Tempo, so gut ich noch konnte, um Ihn auf Abstand zu halten.

Im Ziel stand dann eine 10:40:04 Std. auf der Uhr und ich war ziemlich froh, endlich stehen bleiben zu können. Später stellte sich dann Platz 8 meiner Altersklasse heraus und das tatsächlich nur sechs Profis unter 5 Std. Rad gefahren sind; die neue Radstrecke gepaart mit dem starken Ostwind hatte viele Opfer, aber vor allem Zeit gekostet.
Ich jedenfalls fiel über das reichhaltige Buffet her und Gisa sorgte für mein langsames nach Hause kommen (nachdem dann der ganze Kram, inkl. Bike wieder aus-gecheckt war).

Die letzten Finisher erreichten nach 17 Stunden das Ziel und es ist schon eine wahnsinns Leistung, so lange durchzuhalten!

…Steak, Bier und Bett weiter, stand am nächsten Tag um 11 Uhr die Award Zeremonie an, bei der in einem feierlichen Rahmen die Qualifikationsplätze für die Triathlon Ironman World Championships auf Hawaii vergeben wurden.
Bis zu dem Zeitpunkt war die Verteilung geheim, nur die Anzahl von 50 Tickets war bekannt.
Prozentual werden diese dann nach Startern in der jeweiligen Altersklasse, also die 50 Tickets an die jeweiligen Ersten Plätze vergeben. Bis zum Aufrufen meiner AK tappte ich komplett im Ungewissen.
Plötzlich die Verkündigung, es gibt 8 Plätze in der AK 40-44 – YIHAA, ich war Platz 8, somit bin ich dabei!!!

Die Übergabe des hawaiianischen Blumenkranz auf der Bühne war der absolute Höhepunkt.

Am 11. Oktober 2014 werde ich auf Big Island, Kailua Kona, Hawaii starten, zusammen mit den besten 2.000 Athleten der Welt. Noch immer kann ich es kaum fassen, viele Male habe ich es versucht und nun ist es geschafft, bei einem Rennen, dass bei der Hälfte für einen kurzen Moment aufgegeben schien – aber eben nur schien!

Die anschließende Flut von Freunden und Bekannten war absolut unglaublich. Dass so viele die Daumen gedrückt haben, hat geholfen!

2 Gedanken zu “Ironman Süd Afrika – der Weg zur Hawaii Qualifikation

  1. Glückwunsch zum erfolgreichen Rennen!

    Bei unserem Frühstück am Samstag Morgen haben wir noch Deine Zwischenzeiten bis 40 Kilometer Rad verfolgt. Mit dem späteren Blick auf das Endergebnis zollten wir Dir unseren Respekt (hoffe, Du hast das gespürt).

    Und natürlich auch Gratulation zur Hawaii-Qualifikation!

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