Lanzarote Teil II – perfektes Training

Auch Teil II „Training auf Lanzarote“ lief perfekt und ich konnte alle Einheiten ‎wie geplant absolvieren. Besonders stolz bin ich auf die harte Willenseinheit am vorletzten Tag. 165 km Rad bei Sturm und Regen alleine und zwar nach einem harten Vortag und mit der Belastung der vorherigen Tage. Dabei habe ich sicherlich X-Mal zwischendurch überlegt, die Einheit zu verkürzen und die Ausrede auf das Wetter zu schieben. Letztendlich aber war auch meine Hawaii Qualifikation in Süd Afrika nur möglich, weil ich bei den damaligen extremen Windverhältnissen nicht aufgegeben hatte. Zurückblickend auf vergangene Wettkämpfe, bin ich eher der Typ für die extremen äußeren Bedingungen, dass muss ich für mich nutzen.

Gesamt kam ich an neun Tagen auf 41 Trainingsstunden. Besonders schön ist es hier auf der Insel anzukommen und Bekannte und die viele zufriedenen Menschen zu sehen, Lanzarote ist schon lange ein kleines Stück Heimat geworden.

Meine Entscheidung, im Dezember mit meinem Triathlon Wettkampfrad auf die Insel zu reisen, war genau richtig, denn ich wollte unter ähnliche Bedingungen trainieren, wie ich diese in Süd Afrika vorfinden werde – nämlich mit viel Wind. Nur Hawaii ist noch eine Steigerung der Windbedingungen und dies auch noch ständig wechselnd.

Mein Rad hatte ich für die fünf Wochen, die ich zwischendurch wieder in Deutschland war, auf Lanzarote gelassen – um damit auch Teil II zu absolvieren. Mein Rad und ich sind nun wieder eine Einheit, das braucht nämlich jedes Jahr erneut einige Kilometer, mich an die Aeroposition zu gewöhnen. Dieser Punkt ist somit erledigt.

Als Voll berufstätiger mit einem zusätzlichen Lehrauftrag an der Hochschule und dann den Triathlon Sport in dieser Intensität semi-professionell zu betreiben bedeutet planen und gutes Zeitmanagement, Krankheiten sind unbedingt zu vermeiden und die Ziele des Jahres im Voraus zu stecken. Daneben darf die Spontanität auch nicht fehlen und selbstverständlich die Freude am Ganzen nicht auf der Strecke bleiben.

Das sind die täglichen Schwierigkeiten, die den berufstätigen Leistungssportler vom Profisportler unterscheiden. Diese nämlich können sich zwar bestmöglich auf den Sport konzentrieren inklusive der erforderlichen Regeneration, haben auf der anderen Seite jedoch den Druck, Preisgelder verdienen zu müssen und nicht selten nebenbei andere Einnahmequellen aufbauen. Ich bin froh, kein Profisportler zu sein, das schlägt so ziemlich jeden Managerposten.

Mein Lauffreund Dennis Klusmann, mit dem ich die Tage hier war, konnte ebenfalls sehr gut trainieren, um seine angestrebte Zielzeit beim Hamburg Marathon von 2:28 Stunden ein Stück näher zu kommen, 17 Stunden Training sind im Laufsport richtig viel.

‎Für Ihn war es das erste Mal auf Lanzarote. Der Ort, an dem Zeiten und Geschwindigkeit vernachlässigbar sind, hier zählen ausschließlich  Belastungsparameter wie Watt und Puls – natürlich neben dem Gefühl. Da ich eh niemals mit Tacho (jedenfalls beim Rad) trainiere, sondern nach Belastung, sehe ich immer erst abends bei der Auswertung am PC die Werte. Wind und Berge sind hier allgegenwärtig präsent und für Kilometer- und pace-Jäger ein harter Lerneffekt. Und eine Einheit kann auch durchaus gut sein, wenn kein neuer persönlicher Rekord aufgestellt wird :-).

Etwas Kultur durfte natürlich auch nicht fehlen und endlich habe ich es geschafft, mir das Haus vom Künstler César Manrique anzusehen, endlich! Der Künstler und Architekt hat sozusagen die halbe Insel designed und ist hier auf Lanzarote so was, wie der Antoni Gaudi von Barcelona oder Luigi Colani…

Allerdings ist Triathlon im direkten Vergleich zum reinen Laufen sehr zeit intensiv, eigentlich nichts neues, aber so im direkten Vergleich hatte ich es noch nie. Die Kombi aus drei Sportarten plus Kraft und Dehnen kostet so viel mehr Zeit, dass Dennis bereits am Pool lag, wenn ich noch eine Einheit vor mir hatte. Das soll keine Wertung sein, aber es sind nun halt drei Sportarten, die trainiert werden wollen. Bei Dennis bestand eine extrem lange Einheit aus drei Stunden, bei mir war der längste Trainingstag mit Nachbereitung dann nach sieben Stunden vorbei – ohne Rad-pflege. Erledigt waren wir danach allerdings Beide. Gut, dass es ein extrem leckeres abendliches Buffet gibt.

Nachdem ich Teil I im Dezember auf Lanzarote mit sehr vielen Grundlagen Einheiten verbracht habe, ging es diesmal um die ersten Wettkampf spezifischen Einheiten. Ich bin sehr optimistisch für meinen dritten Start beim Süd Afrika Ironman im April, wie üblich am exakt gleichen Tag wie der Bonn Marathon. Bis dahin sind es nun noch etwas über sieben Wochen.

Jetzt wird das Training erstmal durch eine ruhigere Woche nachbereitet – und das Büro ruft natürlich auch wieder.

Saisonstart 2016 auf Lanzarote

Das Jahr 2015 ist so gut wie vorbei, da heißt es wieder volle Kraft voraus ins Neue Jahr ->2016. Und dafür habe ich mir „meine zweite Wahlheimat“ Lanzarote ausgesucht. Wo lässt es sich besser trainieren, als auf einer aktiven Vulkaninsel, an denen an manchen Stellen zwei Meter unterhalb der Erdoberfläche 400 Grad Celsius herrschen, so dass zB ein Restaurant hier ausschließlich das Fleisch mit Erdwärme grillt. Eine geothermische Anomalie, dessen Kraft und Energie auch auf die Athleten überspringt :-).

Als Freund von Planung und Statistiken hab ich ein paar Zahlen herausgesucht, die mich mit dieser Insel verbinden:

Lanzarote, in den letzten Jahren habe ich hier einige tolle Menschen kennengelernt, die auf dieser schönen Insel leben und arbeiten, insgesamt 112 Tage verbracht, knapp 8.000 Rad- und 900 Laufkilometer zurückgelegt. Langweilig wird es hier nicht, der ständige Wind und die Höhenmeter bieten abwechslungsreiche Trainingsbedingungen.

Diesmal bin ich drei Wochen hier, denn die sportlichen Ziele für 2016 sind schon lange geplant. Im April geht es zum dritten Mal zum Ironman nach Süd Afrika sowie zwei Monate später zum Ironman nach Österreich. Das will alles solide vorbereitet sein.

Gleichzeitig lässt sich hier wieder Kraft für die beruflichen Anforderungen sammelt, so dass es wieder mit aufgeladenen Akkus vorwärts gehen kann. Arbeit und Privatleben sollten sich ergänzen und Zufriedenheit schaffen, nur so geht es in beiden Bereichen voran, so meine Einstellung.

Ein paar Zahlen zu 2015: 300 Stunden Rad, 180 Stunden Laufen, 102 Stunden Schwimmen und 150 Stunden Kraft & Athletik ergeben 732 Stunden Bewegung und Freude darüber, gesund zu sein und diese Sportart ausüben zu dürfen. Das ist alles nicht selbstverständlich und ich weiß es deshalb zu schätzen.

Eine Neuerung hat es im letzten Monat im sportlichen Bereich gegeben. Nachdem ich mich die letzten beiden Jahre selbst trainiert habe und wieder sehr viel Erfahrungen sammeln konnte, habe ich mich nun mit dem Trainer von Julia Mai, einer guten Freundin und Triathlonprofi, für die nächste Saison zusammen getan. Mario Schmidt-Wendling ist Vollzeittrainer, wird mich in den „drei plus eins“ Sportarten coachen und durch neue Trainingsreize hoffentlich noch etwas mehr Leistung aus mir herausholen. Ich sehe das als gute Investition, auch wenn es immer schwer ist, sich auf Jemand Neues einzulassen und die gewohnte Trainingsbelastung zu verlassen. Eins kann ich jetzt schon sagen, so viel geschwommen, wie in den letzten vier Wochen, bin ich selten.

Eine Weisheit verinnerliche ich zur Zeit:

„Triathlon ist weit mehr als die Summe aus Schwimmen, Rad fahren und Laufen. Zum einen sind es die Übergänge zwischen den Disziplinen oder die Wechsel, zum anderen heißt es ein Gespür oder Gefühl für die Frage zu entwickeln: „Wie weit darf ich mich in den einzelnen Ausdauersportarten belasten“, damit ich meine individuellen Möglichkeiten voll ausschöpfen kann.“

So schön ist es auf Lanzarote: