64 km Trail run Australia Bogong2Hotham

What the bloody hell was that for an epic run in Australia?

The answer is Bogong2Hotham!

Auf Anraten von Moritz (einer der heftigsten Trailrunner, den ich kenne) hatte ich mich zum 32. Bogong2Hotham Trail run angemeldet. Ein 64 Km Traillauf mit 3.500 Hm uphill und 2.550 Hm downhill im Victoria National Park, etwa 400 km nord/östlich von Melbourne.

Ein Kultrun in Australien, der es in sich haben sollte, dementsprechend sahen die Teilnehmer auch aus und gemeinsam fanden sich die Täter zum sehr intensiven race briefing am Startort Mount Beauty ein.

Eine unmarkierte Strecke quer durch die Berge mit knietiefer Flussdurchquerung und einem sehr ambitionierten Streckenbeginn, dass uns mit knapp 1.400 Höhenmeter auf den ersten 8 Kilometern auf die Strecke einstimmen sollte.

Es erfolgte noch eine kurze Einweisung zum Schlangenbiss-Tape, ziemlich vielen Notrufnummern (auch wenn die Hälfte der Strecke gar keine Netzabdeckung haben sollte) und einer sehr strengen Kontrolle über die Ausrüstung, die im Laufrucksack mitzuführen war und inkl. Wasser gute 3,5 kg auf die Waage brachte.

Neuland war das Schlangen-Kompressionstape samt Einweisung  zum Abbinden sowie die Anweisung bei Notdurft seinen Rucksack auf den Weg zu legen, damit bei man bei einem evtl. erfolgten Biss schneller gefunden wird oder aber der Kontrollläufer am Ende Bescheid weiß.

Bei „heavy weather” conditions 4.000 Kilojoules an Nahrung mehr mitzuführen, hab ich so auch noch nicht erlebt sowie der geforderte mechanische Kompass mit Kartenmaterial und zusätzlich der digitalen Version auf dem Smartphone (dessen Funktion sogar auch geprüft wurde). Der Veranstalter war definitiv an unserer Sicherheit interessiert und untermauert dies alles noch mit dem Satz „INADEQUATE GEAR = NO START = NO EXCEPTIONS“.

Das Wetter war hier wie üblich sehr wechselhaft, so war es zwei Tage vor dem Start noch 43 Grad heiß und am Tag danach nur noch 17 Grad. Nachdem am Renntag alle Teilnehmer einzeln aufgerufen wurden, erfolgte unspektakulär, ohne großes Tamtam oder Countdown der Start am Fuße des Berges um sechs Uhr.

Vom Start weg ging es direkt in den Berg und zu Beginn noch um die Bäche herum. Irgendwie hatte ich mit breiteren Wegen gerechnet, da es ja nur bis knapp Zweitausend Meter hoch ging und irgendwie hatte ich auch vergessen, wie hilfreich Trail Stöcke am Berg sind und dass meine nun dummerweise grad in Bonn liegen. Mit steinigen, schmalen Trails, die mit langen faserigen Eukalyptus Rinde Stücken immer wieder als Stolperfallen dienten, hatte ich auch nicht gerechnet. Trotzdem dieser Lauf zum 32.Mal stattfindet, fand ich im Vorfeld kaum Rennberichte darüber.

Eukalyptusduft zog sich durch den gesamten Lauf und es duftete, als wenn man eine Flasche Erkältungsbad öffnet, wahnsinnig intensiv. Die Trails waren so abgelegen, dass einige Helfer mit dem Zelt tags zuvor aufgestiegen waren, um rechtzeitig und vor uns am jeweiligen Kontrollpunkt zu sein um über Funk unsere Position zu übermittelten.

Im ersten Tal erwartete uns ein reißender Bach, der knietief zu durchqueren war. Es dauerte den ganzen weiteren Anstieg, bis die Füße wieder trocken waren und noch länger, damit meine Einlegesohle wieder faltenfrei war.

Bei Kilometer 35 schaute ich das erste Mal auf meine Gesamtzeit mit 4:50 Stunden auf der Uhr und wusste nicht, ob ich mich über die den größten Anteil der Höhenmetern freuen sollte. Ich war schon ziemlich „cooked“ wie der Aussie so sagt und noch knappe dreißig lagen vor mir. An dem Punkt gab es auch eine Random Control, bei der jeder TN zwei zufällig ausgewählte Gegenstände der Packliste vorzeigen musste, quasi eine Schummelkontrolle, die bei fehlendem Teil mit einer Disqualifikation geendet hätte.

Apropos Verpflegungsstellen, es gab quasi keine! Eine Handvoll Stellen an denen es lediglich Wasser und viertel Orangenstücken gab, kein Gel, keine Riegel, keine Energie. Weil mir das im Vorfeld nicht klar war und ich von europäischen Verhältnissen ausgegangen bin, hatte ich ganze vier! Gels dabei – für 64 Kilometer! Das Zeug war natürlich schnell weg und ich war leer.

Der Körper kann ja bekanntlich ziemlich viel wegstecken, wenn der Kopf „ja“ sagt und so musste es auch ohne Nahrung funktionieren. Die Trails wurden schmaler, die Sonne brannte gnadenlos und die letzten drei Stunden gab es auch keinen Schatten mehr. Nachdem ich zwischenzeitlich fast eine Stunde für vier Kilometer brauchte, weil es kaum mehr laufbar war, hatte ich auch aufgehört mir irgendeine Zielzeit errechnen zu wollen. Ich wusste ja nicht, was noch kam?! Von hinten lief ein ausgewanderter Schweizer heran, der für etwas Abwechslung sorgte, ansonsten sah man sich kaum auf der Strecke, jeder steckte irgendwo im nirgendwo.

Bei Kilometer 52 und etwa sieben Stunden im Rennen freute ich mich auf die eigentlich mal kalkulierte „letzte“ Stunde. Das war wohl nichts, ich brauchte dann noch etwas mehr als zwei davon, da auch noch ein Tal zu queren war.

Zwischendurch wurden wir noch von den 35 er Läufern überholt, die sich für die „kurze“ Strecke entschieden, zum Glück aber farblich markiert waren, damit es für uns nicht ganz so frustrierend war, überholt zu werden.

Ich hatte keine Ahnung, wie sich neun Stunden Trail running anfühlten, denn ich bin noch nie so lange gerannt. Aber irgendwann endlich sah ich den Mount Hotham und auf meiner Uhr stand eine neun davor!

Im Ziel empfing mich ein zwei Mann Zielkomitee mit banner. Als ich gerade und endlich anhalten wollte, zeigte mir der Race Direktor den höchsten Felsen dort, den ich noch berühren musste. Erst dann waren 64 Kilometer geschafft und es war 9:12:35 Stunden später, als noch am Start und ich mit Platz 19 im Ziel.

Ich stand also im Ziel und hatte mich schon seit Stunden wenigstens auf die Ziel-Verpflegung gefreut. Anscheinend etwas zu früh, denn außer Wasser und den bekannten viertel Orangenstücken gab es jetzt „on top“ nur noch etwas Schokolade dazu …

Egal! Bogong2Hotham hab ich gerockt, in etwa der Zeit eines Ironman bin ich gelaufen.

Der Körper unser Wunderwerk kann fast alles, wenn der Wille stark genug ist! Das zeigt dieser Sport immer wieder auf eindrucksvolle Weise und zwei Tage später ist normales gehen schon fast wieder möglich und ich hab auch irgendwie schon wieder Lust auf Bewegung.