Vermischen sich Sport und Beruf nun endgültig und was hat das thematisch auf diesem sportlichen Blog zu suchen?
Wer von meinen Followern sich diese Frage nun stellt, dem möchte ich schnell entgegnen. Nein, ich trenne nicht zwischen Beruf, Sport und Leben. Und warum nicht? Weil sich unsere Verhaltensweisen nur mit viel Aufwand und Stress unterdrücken lassen und wenn uns das gelingen würde, hätte das kein Bestand. Außerdem ist es ein enormer Vorteil, unseren Werkzeugkasten der Kernkompetenzen, Werte und Leidenschaften überall einzusetzen. Hier erinnere ich nochmal an meinen letzten Beitrag zum Rennen in Luxembourg und der Energieverbrauch unseres Gehirn – das ist essenziell.
Kommen wir zum Thema, was stimmt nicht mit mir und all den anderen Menschen, 400 Kilometer am Stück mit dem Rennrad an einem Tag zu fahren und warum im Vorfeld 300 Km als Vorbereitung sinnvoll waren?
Zahlenbeiwerk: In 15:07 Stunden mit 4.134 Höhenmeter am Stück und drei Wollende
Dafür hole ich etwas weiter aus, ich mache Triathlon seit 20 Jahren, laufe Marathon seit 23 Jahren und das sehr intensiv mit mindestens einmal Training pro Tag.
Es ist meine Leidenschaft, ich habe Ziele, habe Vorstellungen, möchte Bestzeiten erreichen, auch mal Rennen gewinnen, mich mit anderen messen und immer mein Bestes geben. Ich möchte jede Zelle meines Körpers spüren, von der Euphorie der Vorfreude bis zum Schmerz im Rennen. Es ist mein Ziel, mich weiterzuentwickeln, in allen drei Sportarten (Schwimmen, Rad, Laufen und Beweglichkeit) besser zu werden, akribisch an Details zu feilen, Material zu testen, meinen Körper bestmöglich kennen zu lernen und mich einschätzen zu können und Wehwehchen schon früher zu erkennen. Ich bin auch ein Zahlenmensch. Ich habe jeden Tag seit dem Januar 2004 in Excel dokumentiert, also seit fast 20 Jahren.
Psychosomatik – sicherlich kein Hokuspokus
Ich bin davon überzeugt (worden), dass es eine direkte Verbindung zwischen unserem Wohlbefinden (Psyche) und unserem Körper gibt. Psychosomatik (eben diese Wechselwirkung zwischen Körper und Psyche) ist ein enormes Hilfsmittel unseres Körpers. Dauerhafte Leistung ist abhängig davon, wie gut wir uns selbst kennen und steuern können. Das sind uneingeschränkt alles Punkte, die aus dem heutigen Leistungs- und Profisport nicht mehr wegzudenken sind. Und auf der anderen Seite bin ich mit Leidenschaft Ingenieur, nüchtern mit Zahlen aber auch interkulturellem Hintergrund und ein großer Verfechter der Agilität mit dessen systemischer Betrachtung.
Warum schreibe ich dir das und was hat es nun mit den 400 km Longride zu tun?
Weder Leistungssportler noch Profis in ihrem Beruf können langfristig Leistung erzielen und steigern, ohne sich selbst kennen, einschätzen und dementsprechend steuern zu können. Du musst wissen, was Du draufhast und was es braucht, das abrufen zu können. Es braucht Rahmenbedingungen nach dem Motto „Deine Umgebung formt Dein Verhalten und somit Deine Leistung“.
„Gewonnen und verloren wird zwischen den Ohren“ ist ein Zitat unter anderem von Boris Becker. Es steht dafür, dass wir nur dann die beste Leistung bringen können, wenn wir es wollen.
Nur wer sein „Warum“ kennt, erträgt jedes „Wie“.
15 Stunden im Sattel zu sitzen, mit ein paar wenigen Pausen kann doch kein Spaß machen, werden sich vielleicht viele von Euch fragen! Richtig – geht mir auch so. Allerdings wollte ich das unbedingt, also habe ich auch das „Wie“ akzeptiert. Ohne (m)ein Warum wäre das nicht gelungen.
In meiner täglichen Arbeit habe ich oftmals mit Menschen zu tun, die ihre Arbeit tun und dazu kreativ und innovativ sein müss(t)en, das nur halbherzig machen und deshalb nicht die gewünschten Ergebnisse erzielen. Meistens, weil die Zeit für einen klaren Projektstart fehlt, nicht alle Beteiligten das Warum haben und erst recht nicht ihr persönliches Warum darin sehen.
In Unternehmen wird selbstredend und berechtigt der Return on Investment (ROI) gemessen. Aber (!) vor allem im Projektmanagement geht es um zwischenmenschliche Interaktion. Es geht darum Informationen austauschen zu wollen, gute Ideen auf den Punkt zu entwickeln, kreativ zu sein und Good Will zu zeigen.
Hierbei unterschätzen wir deren Auswirkungen auf das Ergebnis, nämlich die Bereitschaft, Dinge tun zu wollen.
Kultur, Kommunikation und die daraus sich ableitenden Methodiken, lassen sich nicht in ROI messen. Es ist eine Investition in den Mitarbeiter und damit in das Unternehmen. Dieser Zusammenhang wurde mir während einer weiteren langen Fahrzeit von 8 Stunden am letzten Wochenende nochmal deutlich. Das ist der Vorteil an langen Ausfahrten, Zeit zum Nachdenken gibt es neben dem Pedalieren genug.
Zurück zum Sportler, deren Verhaltensweisen aus dem Leistungssport lassen sich direkt auf unseren Beruf übertragen. Schaffen wir es, unsere Unternehmenskultur so zu gestalten, dass die Mitarbeitenden wirklich wollen, was sie tun? Bitte nochmal langsam lesen und sacken lassen! – erst dann haben wir den Jackpot geknackt! Und zwar: Wollende, mitdenkende, motivierte und nach Sinnhaftigkeit arbeitende Mitarbeiter. Wem das jetzt schon bekannt vorkommt? Ja, das sind Aussagen des Agilen Manifest, ursprünglich aus der Softwareentwicklung entstanden, um der rasanten Entwicklung gerecht zu werden, im Jahr 2001.
Aber selbst, wenn es nur einige sind, die diesen Zusammenhang für sich erkennen, haben wir einen enormen Performance- und Zufriedenheitssprung. Zwischenmenschlich sowie wirtschaftlich belegbar. Die Investition in die Mitarbeiter rechnet sich immer.
Damit schaffen wir ein „Leistungssportler“-Verhalten und können mit der richtigen Unterstützung und Rahmenbedingungen sicher sein, dass die besten Ergebnisse, Innovationen und vor allem eine höhere selbst gewollte Performance entsteht.
Wie auch im Sport und sonstigen Bereichen ist dafür Training und permanente Übung angesagt. Es wird also eine Lernkurve geben, jedoch ab dem erfolgten Startschuss in die richtige Richtung laufen – Versprochen!
Eine bittere Pille gibt es dennoch, wir können nicht erwarten, dass uns jemand an die Hand nimmt und jeden Schritt dieser Entwicklung mit uns geht. Es braucht zuerst den Willen, das zu wollen und den richtigen Partner, Coach, Chef oder mich, das auch umzusetzen.
Dieser Kulturwandel findet sich unter dem Begriff „Agile Work“ Agiles Arbeiten. Spätestens 22 Jahre nach dessen Wortschöpfung durch die Softwareentwickler sollte uns dieses Wort mindestens schon einmal begegnet sein. Unter Agilität im Job-Kontext werden sämtliche Verhaltensweisen, Sinnhaftigkeit, Vorgehen, Projektmanagement, Umgang mit Kollegen, etc. und Kultur neu gedacht. Hier als anschauliche Tabelle dargestellt.
Mein Fazit:
- Dieser 400er war ausschließlich das Ergebnis eines unbedingten Wunsches = Wollen. Auch wenn ich sicherlich zwei Tage danach noch über kreuz geschaut habe. Du brauchst die richtigen Menschen an Deiner Seite, dann klappts auch in der Umsetzung
- Der 300er war die Vorbereitung darauf, denn ohne Training bringt auch der Stärkste Wille nichts (wobei ich zu dem Zeitpunkt noch nicht wirklich daran geglaubt hatte, dass auch mehr geht – im Raum standen sogar noch der 500er, aber den habe ich abgelehnt)
- Im beruflichen Zusammenhang nennt sich das Agiler Kulturchange „Mitarbeiter und Unternehmen dahingehend aufzubauen“ nämlich zu wollen und die Möglichkeit zu geben, das auch zu trainieren
- Im Vorfeld gilt: Der Grundstein für Agilität ist Sinnhaftigkeit und Wille zum wollen – erst dann ist alles möglich



