Great Ocean Road mit dem Tandem

Anfang 2018 kam uns die Idee, die Great Ocean Road an der Südwestküste Victorias in Australien, einer der schönsten Küstenstraßen der Welt zu fahren – und zwar nicht mit dem Auto sondern dem Tandem.

Verschiedene Touren in Bonn und zehn Tage Mallorca mit Klickpedalen nutzt wir als Vorbereitung und es erwies sich als echt schwierig, überhaupt an ein Miettandem zu kommen, was halbwegs im guten Zustand war. So verbrachte ich viele Ausfahrten mehr mit Schrauben als pedalieren. Ein Tandem von Deutschland aus in Australien zu besorgen, war die nächste Herausforderung. Übers Internet wurde ich bei James in Melbourne fündig, der uns ein Tandem mit Gepäcktaschen verlieh. Wir montierten unsere mitgebrachten Sattel und nahmen noch weniger mit als geplant.

Mit begrenztem Platz kam nur Minimalausrüstung in Frage und natürlich dem Hilleberg Niak Ultra leicht Zelt mit 1,1 kg Gesamtgewicht (3 Minuten Aufbau und ernsthaft wetterfest) – das beste Zelt, dass ich hatte.

Das Zelt hatten wir in der Zeit davor in Tasmanien schon ausgiebig genutzt und im Siebengebirge zu Hause getestet- Never use new equipment in a race!

Die erste Nacht vor unserem Start fanden wir über „warmshowers“ (eine weltweite Plattform für Radfahrer, die sich gegenseitig kostenfrei übernachten lassen) eine gute Unterkunft. Trish, unser Host plante grad Ihre vier Monate Japan Radreise und hatte Spass daran, zu hosten und Storys mit anderen zu teilen. Selbst hatten wir ein paar Wochen zuvor einen über 70 jährigen US Amerikaner bei uns eine Nacht wohnen lassen, der mit seinem Rad Europa durchquerte. Wir bekochten Ihn und schickten Ihn einen Tag später auf die Strecke. Tolle Plattform, ähnlich wie Couchsurfing jedoch von und für Radfahrer.

Als erste Etappe ging es von Warrnambool immer entlang der B100 (Great Ocean Road) Richtung Osten.

Tandem fahren hat mit Rennrad wenig gemeinsam, außer treten. Durch das hohe Gesamtgewicht von zwei Fahrern plus Gepäck und einem Stahlrahmen ist die Spritzigkeit dahin und leichte Hügel lassen sich nicht wegdrücken, wie ich es vom Rennrad gewohnt bin. So heißt es an jedem Berg, „gear down“ und langsam hoch, Bergab und auf der Geraden lief es geschmeidig flott.

Kommunikation ist auf dem Tandem alles, ob schalten, bremsen, Kurve, Schlagloch, auf-/absteigen,… Pilot und Stoker müssen ständig den gleichen Wissensstand haben.

Der erste Tag lief mit knapp Hundert Kilometern und vielen Stops am Meer entlang echt gut, es war mit über dreißig Grad richtig heiß. Am berühmten 12 Apostel war die Hölle los und so suchten wir unseren Platz für die Nacht ein paar Kilometer weiter und schafften es grad noch vor dem Regen aufzubauen. Die ganze Nacht regnete es durch und am nächsten Tag war es kühl, nass und wir hatten den ganzen Tag nur Höhenmeter vor uns. Out of food und electric power (Blöd, wenn eine Powerbank nicht ausreicht) fanden wir endlich ein Food Store und deckten uns ordentlich ein. Der Tag war wirklich hart für uns, aber wir mussten weiter und der sechs Kilometer lange Sandweg nur aus Querrillen bestehend setzte noch einen drauf. Warum nur gab es kaum Radfahrer und schon gar kein Tandem auf dieser Strecke? Zeltplätze erwecken in mir eine große Abneigung, wenn schon Zelt, dann wild und in der Natur, aber wir hatten keine Wahl.

Zweifel kamen auf und mitten im Nirgendwo fanden wir plötzlich einen „wild Camping spot“. Eine Art Campingplatz mitten im Busch. Natürlich waren wir die Exoten mit dem Rad – die Mehrzahl hatte Ihr Zeltdach auf dem Geländewagen aufgeklappt und saßen schon mit nem Bier davor. Hier in Australien hat gefühlt jedes dritte Fahrzeug ein Zeltdach installiert um in der Wildnis zu schlafen, Hotels sind ja meist auch langweilig.

Irgendwie war das nicht unser Tag und ich erkundete die Gegend als plötzlich neben mir aus den Eukalyptusbäumen Geräusche kamen. Koalas!!! Direkt neben unserem Zelt und auch noch aktiv – vier Koalas saßen nicht nur schlafend dort, sondern kletterten herum. Welch eine Wendung des Tages – als dann kurz vor Sonnenuntergang noch mindestens fünfzig Kakadus und Papageien eine Mega Flug- und Soundshow über dem Platz ablieferten, war alles vergessen. Was ein Glück hier zu sein. Am nächsten Morgen übrigens das gleiche laute Spektakel der Vögel weit vor sechs Uhr.

Am dritten Tag wollten wir es schlauer angehen und frühzeitiger einen Platz fürs Zelt suchen. Das war wirklich schwierig, zwar gibt es genug Platz, aber wenig unbewachsene Fläche. Außerdem wollten wir nicht direkt im Busch aufschlagen, der giftigen Schlangen wegen. Die ersten zwei Stunden schafften wir mit dem Bike sagenhafte dreißig Kilometer mit knapp 800 Höhenmetern auf größtenteils Sandweg mit Rillen.

Bereits am ersten Berg wollte die Scheibenbremse mal kurz zerlegt werden, weil sie sich festgesetzt hatte und die Bremsleistung dramatisch abnahm – das Bike entsprach wirklich nicht meinem Qualitätsanspruch. Sicherheitshalber hatte ich aus den Erfahrungen der geliehenen Tandem bikes zuvor mein eigenes Werkzeug und Kabelbinder dabei.

Abends fanden wir einen richtig schönen Platz, zehn Meter vom Meer entfernt. Mit Meeresrauschen einschlafen ist so ziemlich das Schönste was ich mir an Geräuschen vorstellen kann.

Wir kamen mal wieder mit ein paar locals ins Gespräch, was die Sache abrundete.

Am letzten Tag der Tour erwartete uns der schönste Streckenabschnitt, die ersten 64 Kilometer führten direkt am Meer entlang auf der Strasse mit Sonne! Soviele Postkartenmotive lassen sich kaum aufsaugen und mit einem guten Kaffee am Morgen und einem frischen Fisch mittags kamen wir dann nach knapp neunzig Kilometern am open water Pool in Geelong an und sprangen erstmal ins Meer, das war unser Silvestertag.

310 Kilometer und 3.3000 Höhenmeter klingen nicht viel, mit Tandem und Zelt war es ein wirkliches Erlebnis und echt anstrengend – eine tolle Alternative zum Auto.

Jetzt sind es noch vier Tage bis zum Bogong2Hotham run.

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